Longevity & AgingForschungsarbeitOpen Access

Astragalus-Verbindungen bekämpfen Atherosklerose durch gezielte Wirkung auf die Telomer-Alterung

Eine Überprüfung aus dem Jahr 2025 zeigt, wie von Astragalus abgeleitete Verbindungen wie TA-65 die vaskuläre Alterung verlangsamen, indem sie die Telomerase aktivieren und Entzündungen eindämmen.

Montag, 25. Mai 2026 6 Aufrufe
Veröffentlicht in J Cardiovasc Dev Dis
Glowing chromosome ends with telomere caps dissolving into herbal root cross-sections under microscope blue light

Zusammenfassung

Dieser Review aus dem Jahr 2025 von italienischen Forschern fasst die Evidenz dazu zusammen, wie Astragalus membranaceus und seine bioaktiven Verbindungen – Astragalosid IV (AS IV), Cycloastragenol (CAG) und das kommerzielle Nahrungsergänzungsmittel TA-65 – vaskulärer Alterung und Atherosklerose entgegenwirken. Die Telomerverkürzung in Endothel- und glatten Muskelzellen löst Seneszenz, oxidativen Stress und entzündliche Signalübertragung aus, die allesamt die Plaquebildung beschleunigen. Aus Astragalus gewonnene Verbindungen wirken dem entgegen, indem sie die Telomerase über mehrere Signalwege aktivieren (MAPK, Akt, Src/MEK/ERK, JAK/STAT), reaktive Sauerstoffspezies reduzieren, die Bioverfügbarkeit von Stickstoffmonoxid verbessern, den Lipidstoffwechsel modulieren und die NF-κB-getriebene Entzündung unterdrücken. Humanstudien mit TA-65 zeigen eine Telomerverlängerung über 12 Monate. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass diese Verbindungen vielversprechend sind, weisen jedoch auf erhebliche Wissenslücken hin – insbesondere bei der Übertragung der Erkenntnisse in belastbare klinische Studien.

Detaillierte Zusammenfassung

Telomerverkürzung hat sich als messbarer biologischer Takt für die vaskuläre Alterung etabliert. Da sich Endothelzellen und vaskuläre glatte Muskelzellen im Laufe eines Lebens replizieren, erodieren ihre Telomere zunehmend und lösen schließlich eine DNA-Schadensantwort aus, die replikative Seneszenz, den seneszenzassoziierten sekretorischen Phänotyp (SASP), chronische Gefäßwandentzündung und Plaquebildung antreibt. Metaanalysen und Mendel'sche Randomisierungsstudien in verschiedenen ethnischen Bevölkerungsgruppen verknüpfen kürzere Leukozyten-Telomerlänge nun mit einem signifikant erhöhten Risiko für koronare Atherosklerose, Myokardinfarkt und ischämische Herzerkrankung und liefern damit eine kausale Grundlage für telomerzielgerichtete Therapien.

Astragalus membranaceus, eine in der traditionellen chinesischen Medizin weit verbreitete Wurzel, enthält über 200 bioaktive Verbindungen. Die Übersichtsarbeit konzentriert sich auf drei Hauptbestandteile: Astragalosid IV (AS IV), ein Triterpenoid-Saponin; Cycloastragenol (CAG), sein Aglykon-Derivat; sowie TA-65, eine patentierte verkapselte Form von CAG, die seit 2008 kommerziell erhältlich ist. Diese Verbindungen aktivieren die Telomerase – die Reverse Transkriptase, die schützende Wiederholungssequenzen an Chromosomenenden anfügt – über unterschiedliche, aber sich überschneidende intrazelluläre Signalkaskaden, darunter MAPK, Akt (das die TERT-Untereinheit posttranslational phosphoryliert), JAK/STAT sowie Src/MEK/ERK-Signalwege. Es wurde gezeigt, dass systemische AS IV-Supplementierung die TERT-Aktivierung in mehreren Geweben – Gehirn, Leber, Herz, Lunge und Knochenmark – bei gealterten Mäusen steigert und die Telomererosion über verschiedene Organsysteme hinweg abschwächt.

In Gefäßzellen zeigt AS IV eine breite endothelschützende Wirkung. In-vitro-Studien zeigen, dass es die Proliferation, Migration und Röhrchenbildung von HUVECs über PI3K/Akt- und ERK1/2-Signalwege fördert. Es stellt die Bioverfügbarkeit von Stickstoffmonoxid unter oxidativem Schaden wieder her, indem es die ROS/NF-κB-Signalgebung hemmt und die eNOS-Entkopplung reduziert. Außerdem aktiviert es die antioxidative NRF2/HO-1-Achse und unterdrückt proinflammatorische Zytokine wie IL-6, IL-8 und TNF-α. In atheroskleroserelevanten Modellen mit oxidiertem LDL reduziert AS IV die Schaumzellbildung, die Lipidakkumulation in Makrophagen und die Proliferation vaskulärer glatter Muskelzellen. Mechanistisch moduliert es PPARγ-, ABCA1- und LXR-α-Signalwege zur Förderung des reversen Cholesterintransports und hemmt die PCSK9-Expression, um das Recycling von LDL-Rezeptoren zu verbessern.

Klinische Belege am Menschen sind zwar noch begrenzt, aber vielversprechend. Eine placebokontrollierte Studie an 117 CMV-positiven Erwachsenen im Alter von 53–87 Jahren ergab, dass niedrig dosiertes TA-65 (250 Einheiten) die Telomerlänge über 12 Monate signifikant verlängerte, verglichen mit einer Telomerverkürzung in der Placebogruppe. Eine große placebokontrollierte Studie an 500 gesunden Erwachsenen zeigte, dass alle Dosierungen von TA-65 (100–500 Einheiten, 9 Monate) seneszente CD8+CD28−-T-Zellen reduzierten. Eine randomisierte, doppelblinde, sechsmonatige Studie an 40 gesunden Probanden mit einem Astragalus-basierten Nahrungsergänzungsmittel zeigte signifikante Zunahmen der medianen und kurzen Telomerlängen.

Trotz dieser Belege identifizieren die Autoren kritische Forschungslücken. Die meisten vaskulären Studien sind In-vitro- oder Tiermodellstudien; direkte Belege dafür, dass Astragalus-Verbindungen die Telomerbiologie speziell in humanen Gefäßzellen verbessern, fehlen. Die Bioverfügbarkeit von AS IV ist aufgrund geringer Löslichkeit schlecht, und optimale Dosierung, Formulierung sowie Langzeitsicherheit in kardiovaskulären Patientengruppen bleiben undefiniert. Die Autoren fordern rigorose randomisierte kontrollierte Studien an Patienten mit etablierter Atherosklerose, bessere mechanistische Studien, die Telomereffekte mit Plaque-Outcomes verknüpfen, sowie verbesserte Verabreichungsstrategien zur Steigerung der Bioverfügbarkeit dieser Verbindungen.

Wichtigste Erkenntnisse

  • AS IV and CAG activate telomerase via MAPK, Akt, Src/MEK/ERK, and JAK/STAT pathways in preclinical models.
  • Systemic AS IV boosted TERT expression across brain, liver, heart, lungs, and bone marrow in aged mice.
  • TA-65 (250 U/day) significantly increased telomere length over 12 months in a human placebo-controlled trial.
  • AS IV reduces foam cell formation and promotes reverse cholesterol transport via PPARγ, ABCA1, and LXR-α modulation.
  • AS IV restores nitric oxide bioavailability in endothelial cells by suppressing ROS/NF-κB and reducing eNOS uncoupling.

Methodik

Dies ist ein narrativer Review, der präklinische (In-vitro-Zellstudien und Nagetiermodelle), translationale und frühphasige klinische Humanevidenz zu Astragalus-abgeleiteten Verbindungen bei vaskulärer Alterung und Atherosklerose zusammenfasst. Es wurden keine Originaldaten generiert; die Evidenz umfasst mechanistische Pathway-Studien, Tiersupplementierungsversuche und placebokontrollierte Humanstudien mit einer Dauer von bis zu 12 Monaten. Der Review wurde im Rahmen des italienischen Nationalen Aufbau- und Resilienzplans (Next Generation EU, Age-It-Projekt) finanziert.

Studienlimitierungen

Die Übersichtsarbeit stützt sich stark auf In-vitro- und Tierdaten, mit sehr begrenzten humanspezifischen Gefäßbelegen; eine Kausalität zwischen Telomereffekten und atherosklerotischen Plaque-Outcomes beim Menschen ist nicht belegt. AS IV weist eine schlechte wässrige Löslichkeit und eine geringe orale Bioverfügbarkeit auf, was die Frage aufwirft, ob mit den aktuellen Formulierungen wirksame Gewebekonzentrationen erreichbar sind. Für keine Astragalus-Verbindung existieren große randomisierte kardiovaskuläre Endpunktstudien, und die Langzeitsicherheit bei älteren oder kardiovaskulären Hochrisikopopulationen wurde nicht ausreichend untersucht.

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