Schwarze und asiatische Frauen erhalten Menopausen-Hormontherapie halb so häufig wie weiße Frauen
Eine Studie mit 1,8 Millionen Frauen zeigt gravierende rassistische Unterschiede bei der Nutzung von Hormontherapien in den Wechseljahren – schwarze Frauen werden häufiger auf Off-Label-Medikamente verwiesen.
Zusammenfassung
Eine große retrospektive Studie mit Daten von über 300 Millionen Patientenakten stellte erhebliche rassische Unterschiede bei der Verschreibung von Hormontherapien in den Wechseljahren fest. Nicht-hispanische weiße Frauen wiesen mit 10,8 % die höchste Anwendungsrate auf, während schwarze Frauen mit 5,4 % die niedrigste aufwiesen. Asiatische Frauen erhielten am häufigsten überhaupt keine pharmakologische Behandlung. Schwarze Frauen wurden unverhältnismäßig häufig Off-Label-Alternativen wie SSRIs und Gabapentin verschrieben. Forscher präsentierten die Ergebnisse auf der Jahrestagung des ACOG 2026 und betonten, dass diese Unterschiede seit Langem bestehen und nicht vollständig durch medizinische Kontraindikationen erklärt werden können. Die Studie wirft wichtige Fragen zur gerechten Zugänglichkeit evidenzbasierter Versorgung in den Wechseljahren auf – insbesondere da die Hormontherapie nach Jahrzehnten übermäßiger Vorsicht infolge der Women's Health Initiative-Studie rehabilitiert wurde.
Detaillierte Zusammenfassung
Die Hormontherapie in den Wechseljahren gilt als eine der wirksamsten Behandlungen bei Wechseljahrsbeschwerden – doch eine neue Studie zeigt, dass der Zugang dazu je nach Bevölkerungsgruppe sehr unterschiedlich ist. Die auf der Jahrestagung 2026 des American College of Obstetricians and Gynecologists vorgestellte Untersuchung quantifiziert langjährige Ungleichheiten, die erhebliche Auswirkungen auf die gesunde Lebensspanne und Lebensqualität von Frauen in der Lebensmitte haben.
Anhand von Epic Cosmos-Daten aus elektronischen Krankenakten von über 300 Millionen Patientinnen und Patienten analysierten die Forschenden 1,8 Millionen Frauen in den Wechseljahren, die zwischen 2020 und 2025 diagnostiziert worden waren. Insgesamt erhielten nur 9,6 % eine Hormontherapie. Nicht-hispanische weiße Frauen wiesen mit 10,8 % die höchste Inanspruchnahmerate auf, während schwarze Frauen mit 5,4 % den niedrigsten Wert verzeichneten. Asiatische Frauen kamen auf 6,2 %, hawaiianische und pazifisch-insulanische Frauen auf 6,4 % sowie amerikanische Indianerinnen und Alaska-Ureinwohnerinnen auf 7,7 %. Alle Unterschiede waren statistisch signifikant.
Die Ungleichheiten gehen über eine bloße Unterversorgung hinaus. Bei schwarzen Frauen war die Wahrscheinlichkeit, Off-Label- oder Alternativbehandlungen verschrieben zu bekommen – darunter SSRIs, fezolinetant und gabapentin, Letzteres nicht von der FDA für Wechseljahrsbeschwerden zugelassen – deutlich höher. Asiatische Frauen erhielten von allen Gruppen am häufigsten überhaupt keine pharmakologische Behandlung. Die Forschenden vermuten, dass kulturelle Normen, Vorurteile auf Seiten der Behandelnden sowie systemische Ungleichheiten im Gesundheitswesen gleichermaßen dazu beitragen.
Für die Langlebigkeit ist dies von Bedeutung, da die Hormontherapie in den Wechseljahren, wenn sie angemessen verschrieben wird, während eines kritischen biologischen Übergangs die Knochendichte, die kardiovaskuläre Gesundheit und die kognitive Funktion schützen kann. Die FDA hat kürzlich bei mehreren Hormontherapieprodukten die eingerahmten Warnhinweise entfernt – ein Schritt, der eine aktualisierte Evidenzlage widerspiegelt, wonach der Nutzen für viele Frauen unter 60 Jahren die Risiken überwiegt.
Der wesentliche Vorbehalt der Studie besteht darin, dass Daten auf individueller Ebene darüber, warum Patientinnen eine Hormontherapie verschrieben bekamen oder nicht, nicht verfügbar waren. Dadurch lässt sich nicht eindeutig unterscheiden, ob die Unterschiede auf den Wunsch der Patientinnen oder auf Entscheidungen der Behandelnden zurückzuführen sind. Dennoch verleiht der Umfang des Datensatzes den Ergebnissen erhebliches Gewicht und unterstreicht die Dringlichkeit des Problems.
Wichtigste Erkenntnisse
- Black women received menopause hormone therapy at half the rate of white women (5.4% vs 10.8%).
- Black women were 85% more likely to be prescribed SSRIs as off-label menopause alternatives instead of hormone therapy.
- Asian women were most likely to receive no pharmacologic menopause treatment at all among all racial groups.
- All non-white racial groups showed significantly lower hormone therapy utilization with p-values below 0.0001.
- FDA recently removed boxed warnings from several hormone therapy products, improving the evidence-based case for use.
Methodik
Dies ist ein Tagungsbericht, der eine retrospektive Kohortenstudie zusammenfasst, die auf dem ACOG 2026 vorgestellt wurde. Die Studie nutzte Epic Cosmos-EHR-Daten von 1,8 Millionen Frauen in den Wechseljahren aus dem Zeitraum 2020 bis 2025 – ein umfangreiches und belastbares Real-World-Datensatz. Bei den Ergebnissen handelt es sich um vorläufige Kongresspräsentationen, die noch keine vollständige Peer-Review-Publikation durchlaufen haben.
Studienlimitierungen
Die Studie enthält keine Daten auf Individualebene, die erklären, warum Patientinnen eine Hormontherapie erhielten oder nicht, was die Schlussfolgerungen darüber einschränkt, ob die festgestellten Unterschiede auf Patientenpräferenzen oder auf Vorurteile seitens der Behandelnden zurückzuführen sind. Die Ergebnisse stammen aus einer Konferenzpräsentation und wurden bislang weder einem Peer-Review unterzogen noch vollständig veröffentlicht. Die Genauigkeit und Vollständigkeit der ICD-10-Kodierung in EHR-Daten kann zu Klassifikationsfehlern führen.
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