Bluttest zur Früherkennung von Krebs verfehlt Ziel in wegweisendem NHS-Versuch
Der NHS-Galleri-MCED-Test verfehlte seinen primären Endpunkt, zeigte jedoch vielversprechende Reduktionen bei Stadium-IV-Krebserkrankungen und mehr Frühstadium-Diagnosen.
Zusammenfassung
Eine große britische Studie, die einen Bluttest zur Früherkennung mehrerer Krebsarten testete, ergab, dass dieser die Diagnose von Krebs im Spätstadium über 12 Tumorarten hinweg nicht signifikant reduzierte. Die NHS-Galleri-Studie umfasste knapp 143.000 Erwachsene im Alter von 50 bis 77 Jahren, die nach dem Zufallsprinzip entweder den Galleri-Bluttest zusätzlich zur Standardversorgung oder die Standardversorgung allein erhielten. Obwohl der primäre Endpunkt – die Reduzierung von Krebserkrankungen im Stadium III und IV – nicht erreicht wurde, beobachteten die Forschenden eine Reduktion von Krebserkrankungen im Stadium IV um 14 % sowie einen Anstieg der Erkennung von Krebs im Stadium I und II um 16 %. Der leitende medizinische Direktor der ASCO erklärte, der Test sei noch nicht bereit für die Aufnahme in Screening-Leitlinien; die Forschenden sind jedoch der Ansicht, dass ein längerer Nachbeobachtungszeitraum stärkere Vorteile hinsichtlich der Sterblichkeit aufzeigen könnte.
Detaillierte Zusammenfassung
Bluttests zur Früherkennung mehrerer Krebsarten gleichzeitig gelten als eine der vielversprechendsten Entwicklungen in der Krebsprävention und versprechen, Tumoren zu erkennen, bevor sie sich ausbreiten. Die NHS-Galleri-Studie ist die bislang größte randomisierte Untersuchung, die testet, ob ein solcher Test Krebsdiagnosen in frühere, besser behandelbare Stadien verlagern kann – ein Ziel, das unmittelbar mit der Senkung der Krebssterblichkeit verknüpft ist.
In die Studie wurden 142.924 asymptomatische Erwachsene im Alter von 50 bis 77 Jahren in England aufgenommen, die zu gleichen Teilen randomisiert wurden: Eine Gruppe erhielt den Galleri-Liquid-Biopsy-Test zusätzlich zur Standardversorgung, die andere ausschließlich die Standardversorgung – über bis zu drei jährliche Screening-Runden. Die 12 untersuchten Krebsarten – darunter Lungen-, Pankreas-, Eierstock- und Speiseröhrenkrebs – gehören zu jenen, für die es derzeit keine bevölkerungsweiten Screening-Instrumente gibt, und sind gemeinsam für die Mehrheit der Krebstodesfälle verantwortlich.
Der primäre Endpunkt – eine Reduktion der Krebsfälle in Stadium III und IV zusammengenommen – wurde nicht erreicht; im Interventionsarm zeigte sich ein nicht signifikanter Anstieg von 3 %. Die sekundären Befunde waren jedoch ermutigender: Krebserkrankungen im Stadium IV gingen über drei Runden hinweg um 14 % zurück, wobei sich die Reduktionen in der zweiten und dritten Runde auf 22 % bzw. 26 % vertieften. Die Erkennung von Krebsfällen in Stadium I und II stieg um 16 %, was darauf hindeutet, dass der Test Krebserkrankungen früher identifiziert – auch wenn die Inzidenz im Spätstadium noch nicht signifikant gesunken ist.
Die Forschenden interpretieren die sich vertiefenden Rückgänge bei Stadium-IV-Krebserkrankungen als Hinweis darauf, dass eine längere Nachbeobachtung möglicherweise einen statistisch bedeutsamen Überlebensvorteil belegen könnte. Die Biologie des Krebsscreenings bringt es mit sich, dass Verbesserungen bei der Sterblichkeit der Verschiebung in der Erkennung oft um Jahre hinterherhinken – diese Studie benötigt möglicherweise schlicht mehr Zeit.
Dessen ungeachtet war die leitende Medizinerin der ASCO unmissverständlich: Der Galleri-Test sollte noch nicht in Krebsscreening-Leitlinien aufgenommen werden. Liquid Biopsies sind nach wie vor für die Verlaufskontrolle bekannter Krebserkrankungen validiert, nicht für die bevölkerungsweite Früherkennung. Für gesundheitsbewusste Personen ist diese Studie eine Erinnerung daran, dass selbst vielversprechende Technologien einer strengen Evidenzprüfung bedürfen, bevor sie übernommen werden – und dass das etablierte Screening auf Darm-, Lungen- und Brustkrebs nach wie vor die wirkungsvollste verfügbare Maßnahme darstellt.
Wichtigste Erkenntnisse
- MCED blood test did not significantly reduce combined stage III/IV cancers across 12 tumor types after 3 rounds.
- Stage IV cancers specifically dropped 14% overall, with reductions growing to 26% by the third screening round.
- Stage I and II cancer detection increased by 16%, suggesting the test shifts some diagnoses to earlier stages.
- ASCO does not recommend liquid biopsies for population cancer screening based on current evidence.
- Longer follow-up is needed to determine whether early detection shifts translate into reduced cancer mortality.
Methodik
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Studienlimitierungen
Die vollständigen, begutachteten Daten der NHS-Galleri-Studie wurden noch nicht veröffentlicht, was eine unabhängige Überprüfung der statistischen Analysen einschränkt. Die Studie hat noch keine Ergebnisse zur Krebsmortalität berichtet, die das entscheidende Maß für den Nutzen eines Screenings darstellt. Die Berichterstattung basiert auf einer Pressekonferenz-Präsentation, und vollständige Methodik-Details, Subgruppenanalysen sowie Falsch-positiv-Raten erfordern eine Überprüfung der Primärquellen.
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