Longevity & AgingPressemitteilung

Gängiges Nahrungsergänzungsmittel gegen Verstopfung bringt Frau mit Digoxin-ähnlicher Toxizität auf die kardiale Intensivstation

Eine 24-Jährige nahm Tejocote-Wurzel-Tabletten und wäre dabei fast gestorben. Der Auslöser: giftiger gelber Oleander, versteckt in falsch etikettierten Nahrungsergänzungsmitteln.

Dienstag, 5. Mai 2026 0 Aufrufe
Veröffentlicht in MedPage Today
Article visualization: Common Constipation Supplement Sends Woman to Cardiac ICU With Digoxin-Like Toxicity

Zusammenfassung

Eine junge Frau wurde nach der Einnahme von vier Nahrungsergänzungsmittel-Pillen mit Tejocote-Wurzel gegen Verstopfung auf der kardiologischen Intensivstation hospitalisiert. Sie entwickelte gefährlich niedrigen Blutdruck, verlangsamten Herzschlag, erhöhtes Kalium im Blut und Verwirrtheit – klassische Zeichen einer Digoxin-ähnlichen Toxizität. Die eigentliche Gefahr ging nicht von der Tejocote-Wurzel selbst aus, sondern vom gelben Oleander, einer giftigen Pflanze aus Mexiko und Mittelamerika, die häufig zur Verfälschung oder als Ersatz von Tejocote in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet wird. Die FDA warnte davor im Jahr 2024. Ein Forscher testete 10 vergleichbare Nahrungsergänzungsmittel und stellte fest, dass neun gelben Oleander enthielten. Die Patientin wurde mit Digoxin-spezifischen Antikörper-Infusionen behandelt und erholte sich. Dieser Fall unterstreicht ein ernstes und unterschätztes Risiko: Unregulierte Nahrungsergänzungsmittel, insbesondere Produkte zur Gewichtsreduktion, können nicht deklarierte kardiotoxische Substanzen enthalten, die tödlich sein können.

Detaillierte Zusammenfassung

Ein veröffentlichter Fallbericht in den *Annals of Internal Medicine Clinical Cases* beschreibt eine 24-jährige Frau, die auf die Kardio-Intensivstation eingeliefert wurde, nachdem sie vier Tabletten eines als Tejocote-Wurzel vermarkteten Nahrungsergänzungsmittels gegen Verstopfung eingenommen hatte. Binnen 14 Stunden entwickelte sie Verwirrtheit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Taubheitsgefühl am ganzen Körper, niedrigen Blutdruck und eine gefährlich niedrige Herzfrequenz – ein klinisches Bild, das einer Digoxin-Vergiftung entsprach.

Die eigentliche Ursache war nicht die Tejocote-Wurzel selbst, der keine bekannte Toxizität zugeschrieben wird, sondern der Gelbe Oleander – eine giftige Pflanze, die herzwirksame Glykoside ähnlich wie Digoxin enthält. Gelber Oleander wird häufig verwendet, um Tejocote in online verkauften Nahrungsergänzungsmitteln zu verfälschen oder vollständig zu ersetzen. Eine FDA-Warnung aus dem Jahr 2024 wies ausdrücklich auf genau diese Substitution hin. Unabhängige Tests von 10 vergleichbaren Nahrungsergänzungsmitteln ergaben, dass neun davon Gelben Oleander enthielten, während echter Tejocote wahrscheinlich gar nicht vorhanden war.

Eine Digoxin-ähnliche Vergiftung ist notorisch schwer zu diagnostizieren. Wesentliche klinische Hinweiszeichen sind Bradykardie, muldenförmige ST-Senkungen im EKG sowie Hyperkaliämie – allesamt Befunde, die bei dieser Patientin vorlagen. Ihr Serum-Digoxin-Spiegel lag bei der Aufnahme im normalen therapeutischen Bereich, was Kliniker, die mit kreuzreaktiven herzwirksamen Glykosiden pflanzlicher Herkunft nicht vertraut sind, in die Irre führen kann.

Die Patientin wurde mit 10 Fläschchen Digoxin-spezifischen Antikörperfragmenten behandelt, einem gezielten Gegenmittel. Ihr Blutdruck verbesserte sich und der Kaliumspiegel normalisierte sich, wenngleich sie während ihres Aufenthalts auf der Intensivstation weiterhin bradykard blieb. Das Ansprechen auf das Antidot selbst bestätigte die Diagnose einer Herzglykosid-Vergiftung.

Für gesundheitsbewusste Nutzer von Nahrungsergänzungsmitteln ist dieser Fall eine eindringliche Warnung. Die FDA schreibt keine Sicherheitsprüfung vor der Markteinführung von Nahrungsergänzungsmitteln vor, sodass toxische Verunreinigungen unerkannt zu den Verbrauchern gelangen können. Kliniker werden aufgefordert, bei Patienten mit Bradykardie und gastrointestinalen Symptomen nach der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln eine Herzglykosid-Vergiftung in Betracht zu ziehen und umgehend mit Digoxin-spezifischen Antikörpern zu behandeln.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Tejocote root supplements are frequently adulterated with yellow oleander, a cardiac glycoside toxin similar to digoxin.
  • Nine of 10 tejocote supplements tested online contained yellow oleander; likely no real tejocote was present.
  • Digoxin-like toxicity signs include bradycardia, scooped ST segments on ECG, hyperkalemia, and GI symptoms.
  • Digoxin-specific antibody fragments are the effective antidote; patient response confirms cardiac glycoside poisoning.
  • FDA does not require pre-market testing of supplements, leaving consumers vulnerable to mislabeled toxic ingredients.

Methodik

Dies ist ein klinischer Fallbericht, der in Annals of Internal Medicine Clinical Cases, einer peer-reviewten Fachzeitschrift, veröffentlicht und von MedPage Today zusammengefasst wurde. Die Evidenz basiert auf einem einzelnen Patientenfall sowie zitierten früheren Fallberichten und Testdaten zu Nahrungsergänzungsmitteln. Einzelne Fallberichte liefern zwar nur schwache Evidenz, sind jedoch wertvoll für die Identifizierung seltener toxikologischer Risiken.

Studienlimitierungen

Dies ist ein einzelner Fallbericht und kann keine Risikoschätzungen auf Bevölkerungsebene begründen. Die zitierten Supplement-Testdaten umfassten lediglich 10 Produkte aus dem Jahr 2022 und spiegeln möglicherweise nicht die aktuellen Marktbedingungen wider. Leser sollten die ursprüngliche Publikation in den Annals of Internal Medicine Clinical Cases für vollständige klinische Details konsultieren.

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