Mehr Artenvielfalt beim Essen senkt das Sterblichkeitsrisiko um 9 % pro zusätzlicher Nahrungsart
Eine PREDIMED-Kohortenstudie mit 7.210 Personen zeigt, dass jede zusätzlich konsumierte Lebensmittelart das Risiko der Gesamtmortalität bei älteren Hochrisikopatienten um 9 % senkt.
Zusammenfassung
Forscher analysierten den Artenreichtum in der Ernährung (Dietary Species Richness, DSR) – die Anzahl einzigartiger Pflanzen- und Tierarten im Speiseplan – bei 7.210 älteren spanischen Erwachsenen mit hohem kardiovaskulärem Risiko. Über einen medianen Nachbeobachtungszeitraum von 6 Jahren war jede zusätzlich verzehrte Nahrungsart mit einer 9-prozentigen Reduktion des Gesamtmortalitätsrisikos verbunden, mit ähnlichen Reduktionen bei kardiovaskulären, krebsbedingten und sonstigen Todesursachen. Der DSR reichte von 16 bis 57 Arten (Median 48) und korrelierte nur mäßig mit der Adhärenz zur mediterranen Ernährung, was darauf hindeutet, dass die Nahrungsartenvielfalt eine eigenständige Ernährungsdimension erfasst. Die Ergebnisse unterstützen Ernährungsempfehlungen, die Vielfalt über biologische Arten hinweg betonen – nicht nur über Lebensmittelgruppen –, als praktische Strategie für mehr Langlebigkeit.
Detaillierte Zusammenfassung
Das Konzept der „Ernährungsbiodiversität" – das Essen einer großen Vielfalt von Arten aus dem gesamten Pflanzen- und Tierreich – gewinnt zunehmend an Bedeutung, sowohl als Strategie für die persönliche Gesundheit als auch für die planetare Nachhaltigkeit. Diese Studie gehört zu den ersten, die ihre Assoziation mit der Sterblichkeit in einer großen Hochrisikopopulation streng quantifiziert.
Die Forscher verwendeten Daten aus der wegweisenden PREDIMED-Studie mit 7.210 älteren spanischen Erwachsenen (Medianalter 67, 58 % Frauen) mit hohem kardiovaskulärem Risiko. Der Dietary Species Richness (DSR) wurde kumulativ über den Studienzeitraum mithilfe jährlicher Ernährungshäufigkeitsfragebögen berechnet, wobei die Anzahl der einzigartigen Pflanzen- und Tierarten gezählt wurde, die jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer konsumierte. Cox-Regressionsmodelle, die für eine umfassende Reihe von Störvariablen adjustiert wurden, dienten zur Beurteilung der Zusammenhänge mit der Gesamt- und ursachenspezifischen Sterblichkeit.
Über einen medianen Beobachtungszeitraum von 6 Jahren traten 425 Todesfälle auf – 103 durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, 169 durch Krebs und 153 durch andere Ursachen. Jede zusätzlich konsumierte Nahrungsart war mit einer Hazard Ratio von 0,91 für die Gesamtmortalität, 0,93 für die kardiovaskuläre Mortalität, 0,92 für die Krebsmortalität und 0,91 für die Mortalität durch andere Ursachen assoziiert. Dies sind auffällig konsistente Reduktionen in allen Sterblichkeitskategorien.
Wichtig ist, dass der DSR nur moderat mit den Bewertungen der Einhaltung der mediterranen Ernährung korrelierte, was darauf hindeutet, dass Ernährungsbiodiversität ein bedeutsam eigenständiger Ernährungsindikator ist – und nicht lediglich ein Stellvertreter für die mediterrane Ernährungsweise. Dies legt nahe, dass Artenvielfalt unabhängige Vorteile bieten könnte, möglicherweise durch eine breitere Phytonährstoffdiversität, Anreicherung des Darmmikrobioms oder geringere Ernährungsmonotonie.
Zu den Einschränkungen zählen das Beobachtungsdesign, das keine Kausalität belegen kann, sowie die Abhängigkeit von selbst berichteten Ernährungshäufigkeitsfragebögen. Die Kohorte beschränkte sich auf ältere spanische Erwachsene mit hohem kardiovaskulärem Risiko, was die Verallgemeinerbarkeit einschränken kann. Dennoch vermitteln die Ergebnisse eine überzeugende und umsetzbare Botschaft: Die Vielfalt der Arten auf dem Teller zu erhöhen könnte die Lebenserwartung bedeutsam verlängern.
Wichtigste Erkenntnisse
- Each additional food species consumed was linked to a 9% lower all-cause mortality risk (HR 0.91).
- CVD, cancer, and other-cause mortality all showed similar 7–9% risk reductions per additional species.
- Dietary species richness ranged from 16 to 57 species (median 48) across 7,210 participants.
- DSR was only moderately correlated with Mediterranean diet scores, suggesting it captures a distinct dietary dimension.
- 425 deaths occurred over 6 years in this high-cardiovascular-risk cohort.
Methodik
Prospektive Kohortenstudie mit 7.210 PREDIMED-Teilnehmern über einen medianen Beobachtungszeitraum von 6 Jahren. Der Artenreichtum der Ernährung wurde kumulativ anhand jährlicher Ernährungshäufigkeitsfragebögen berechnet. Zur Untersuchung der Zusammenhänge mit der Sterblichkeit wurde eine Cox-Proportional-Hazards-Regression mit vollständiger Confounder-Adjustierung verwendet.
Studienlimitierungen
Das Beobachtungsdesign schließt kausale Schlussfolgerungen aus, und die Ernährungsdaten basieren auf selbst ausgefüllten Ernährungshäufigkeitsfragebögen, die anfällig für Erinnerungsverzerrungen sind. Die Kohorte beschränkte sich auf ältere spanische Erwachsene mit hohem kardiovaskulären Risiko, was die Übertragbarkeit auf jüngere oder risikoärmere Bevölkerungsgruppen einschränkt.
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