Spitzensportler stellen traditionelle Sportklassifikation bei Kardio-Tests in Frage
Eine Studie mit 1.033 Olympioniken zeigt eine erhebliche Überschneidung zwischen Kraft- und gemischten Sportarten bei kardiopulmonalen Fitnessmessungen.
Zusammenfassung
Forscher testeten 1.033 Hochleistungssportlerinnen und -sportler, die sich auf die Europäischen Spiele 2023 und die Olympischen Spiele 2024 vorbereiteten, mittels kardiopulmonaler Belastungsuntersuchung (CPET). Die Studie untersuchte, ob das Sportklassifikationssystem der European Society of Cardiology – das Sportarten anhand kardialer Anpassungen in die Kategorien Geschicklichkeit, Kraft, Mixed und Ausdauer einteilt – auch funktionelle Fitnessunterschiede widerspiegelt. Die Ergebnisse zeigten klare Unterschiede zwischen Geschicklichkeits- und Ausdauersportlerinnen und -sportlern, jedoch erhebliche Überschneidungen zwischen den Kategorien Kraft und Mixed bei wichtigen Messgrößen wie VO2 max und Sauerstoffpuls. Dies deutet darauf hin, dass die aktuelle Klassifikation funktionelle Unterschiede möglicherweise nicht vollständig erfasst.
Detaillierte Zusammenfassung
Diese umfassende Studie stellt das aktuelle Klassifikationssystem der European Society of Cardiology (ESC) für Sportarten in Frage, indem sie untersucht, ob morphologische kardiale Anpassungen tatsächlich funktionelle Fitnessunterschiede zwischen den Sportkategorien widerspiegeln. Forscher führten kardiopulmonale Belastungstests (CPET) an 1.033 Leistungssportlern (46,8 % weiblich, Durchschnittsalter 25,6 Jahre) durch, die sich auf bedeutende internationale Wettkämpfe vorbereiteten, darunter die European Games 2023 und die Olympischen Spiele 2024.
Die Athleten wurden in vier ESC-Kategorien eingeteilt: Geschicklichkeitssportarten (14,1 %), Kraftsportarten (33,2 %), gemischte Sportarten (33,3 %) und Ausdauersportarten (19,4 %). Der CPET wurde mittels Fahrradergometrie mit Rampenprotokollen durchgeführt, wobei wichtige Parameter wie VO2 max, Sauerstoffpuls, Leistungsabgabe und Ventilationseffizienz gemessen wurden.
Die Ergebnisse zeigten für einige Parameter eine klare funktionelle Hierarchie. Der Sauerstoffpuls nahm über die Kategorien hinweg schrittweise zu: Geschicklichkeit (14,9 ± 3,8 mL/beat), Kraft (17,5 ± 4,6 mL/beat), gemischt (19 ± 4,3 mL/beat) und Ausdauer (22,7 ± 5,8 mL/beat) (p < 0,0001). Ebenso reichte der VO2 max von 36,3 ± 7,9 mL/min/kg in Geschicklichkeitssportarten bis zu 52,4 ± 9,7 mL/min/kg in Ausdauersportarten (p < 0,0001).
Zwischen den Kraft- und gemischten Kategorien zeigte sich jedoch eine erhebliche Überschneidung. Kraftsportler wiesen tatsächlich einen höheren VO2 max auf als Athleten in gemischten Sportarten (42 ± 7,7 vs. 40,5 ± 5,8 mL/min/kg, p = 0,005) sowie höhere METs (12 ± 2,3 vs. 11,5 ± 1,8, p = 0,008). Zwischen diesen Gruppen wurden keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der maximalen Ventilation, des Atemzugvolumens oder der Parameter der zweiten Laktatschwelle festgestellt.
Diese Erkenntnisse legen nahe, dass die ESC-Klassifikation zwar Geschicklichkeits- und Ausdauersportarten anhand der kardialen Morphologie wirksam unterscheidet, die funktionelle Überschneidung zwischen Kraft- und gemischten Disziplinen jedoch möglicherweise nicht ausreichend erfasst. Die Studie liefert wertvolle Referenzbereiche für CPET-Parameter bei Leistungssportlern und unterstreicht die Notwendigkeit eines differenzierteren Klassifikationssystems, das sowohl morphologische als auch funktionelle Beurteilungen für optimale sportmedizinische Anwendungen berücksichtigt.
Wichtigste Erkenntnisse
- Oxygen pulse increased incrementally across sport categories: skill 14.9 ± 3.8 mL/beat, power 17.5 ± 4.6 mL/beat, mixed 19 ± 4.3 mL/beat, endurance 22.7 ± 5.8 mL/beat (p < 0.0001)
- VO2 max ranged from 36.3 ± 7.9 mL/min/kg in skill sports to 52.4 ± 9.7 mL/min/kg in endurance sports (p < 0.0001)
- Power athletes showed higher VO2 max than mixed athletes (42 ± 7.7 vs. 40.5 ± 5.8 mL/min/kg, p = 0.005)
- Power athletes achieved higher METs than mixed athletes (12 ± 2.3 vs. 11.5 ± 1.8, p = 0.008)
- No significant differences found between power and mixed athletes for maximum ventilation (100.9 ± 28 vs. 104.7 ± 27 L/min, p = 0.075)
- Mixed-discipline athletes were tallest with highest body weight and body surface area compared to other categories (p < 0.0001)
- Zero endurance athletes were smokers compared to 15.1% of skill athletes and 13.4% of mixed athletes (p < 0.0001)
Methodik
Querschnittsstudie mit 1.033 Eliteathleten, die sich auf die Europaspiele 2023 und die Olympischen Spiele 2024 vorbereiteten. CPET wurde auf einem Fahrradergometer mit einem Rampenprotokoll mit 15–30 Watt-Stufen je nach Geschlecht und Sportart durchgeführt. Die Atemzug-für-Atemzug-Metabolimetrie erfasste den Sauerstoffverbrauch und die CO2-Produktion. Die statistische Analyse verwendete Student's t-Tests für Gruppenvergleiche und den Dunn-Test für Mehrfachgruppenvergleiche, wobei p < 0,05 als signifikant galt.
Studienlimitierungen
Die Studie beschränkt sich auf Fahrradergometrietests, die möglicherweise nicht die sportartspezifischen Anforderungen aller Disziplinen widerspiegeln. Das Querschnittsdesign verhindert die Beurteilung von Trainingsanpassungen über die Zeit. Das auf ESC-Leitlinien basierende Klassifikationssystem erfasst möglicherweise nicht das gesamte Spektrum der physiologischen Anforderungen aller 42 untersuchten Sportdisziplinen. Es werden weder potenzielle Interessenkonflikte noch Finanzierungsquellen genannt, die die Ergebnisse beeinflussen könnten.
Hat dir diese Zusammenfassung gefallen?
Erhalte die neueste Longevity-Forschung jede Woche in deinen Posteingang.
E-Mail-Adresse zum Abonnieren eingeben:
