Longevity & AgingForschungsarbeitOpen Access

Epigenetische Alterungsuhren sagen Blutgerinnselrisiko in großer Genetikstudie vorher

Groß angelegte Genanalyse zeigt, wie biologische Alterungsmarker das Thromboserisiko beeinflussen – und liefert neue Erkenntnisse zur Prävention.

Donnerstag, 2. April 2026 0 Aufrufe
Veröffentlicht in Clin Epigenetics
laboratory technician pipetting DNA samples into a methylation analysis plate with colorful reagents under bright lab lighting

Zusammenfassung

Forscher nutzten genetische Daten von Hunderttausenden Menschen, um zu untersuchen, ob epigenetisches Altern – biologisches Altern, gemessen anhand von DNA-Methylierungsmustern – das Thromboserisiko kausal beeinflusst. Die Studie ergab, dass beschleunigtes epigenetisches Altern das Risiko einer tiefen Venenthrombose senkt, während bestimmte alterungsbedingte Proteine wie FGF23 das arterielle Thromboserisiko erhöhen. Überraschenderweise könnte eine Thrombose selbst bestimmte Formen des biologischen Alterns beschleunigen, was auf eine komplexe bidirektionale Beziehung zwischen Alterungsprozessen und der kardiovaskulären Gesundheit hindeutet.

Detaillierte Zusammenfassung

Blutgerinnsel betreffen Millionen Menschen weltweit und zählen nach wie vor zu den häufigsten Todesursachen, doch der Zusammenhang zwischen biologischem Altern und Gerinnungsrisiko war bislang unklar. Diese wegweisende Studie nutzte Mendelsche Randomisierung – eine genetische Methode, die randomisierte Studien nachahmt – um zu untersuchen, ob epigenetisches Altern das Thromboembolierisiko kausal beeinflusst.

Die Forschenden analysierten genetische Daten von über 400.000 Europäern und untersuchten dabei mehrere epigenetische Altersuhren, darunter PhenoAge, GrimAge und HannumAge. Diese „Uhren" messen das biologische Alter anhand von DNA-Methylierungsmustern und können erheblich vom chronologischen Alter abweichen. Das Team untersuchte außerdem alterungsassoziierte Proteine wie FGF23, PAI-1 und α-Klotho.

Die wichtigsten Erkenntnisse offenbarten unerwartete Komplexität: Eine intrinsische epigenetische Altersbeschleunigung senkte das Risiko einer tiefen Venenthrombose tatsächlich um 3,7 %, während erhöhte FGF23-Proteinspiegel das arterielle Gerinnungsrisiko um 66–68 % steigerten. Am überraschendsten war die bidirektionale Beziehung – eine Pfortaderthrombose senkte PhenoAge um 12,9 %, und eine venöse Thromboembolie erhöhte GrimAge um 18,6 %.

Diese Ergebnisse stellen bisherige Annahmen über Altern und Gerinnungsrisiko infrage. Der schützende Effekt einiger epigenetischer Alterungsmarker gegenüber venösen Gerinnseln könnte adaptive Reaktionen widerspiegeln, während die bidirektionale Beziehung darauf hindeutet, dass Blutgerinnsel selbst bestimmte Alterungsprozesse beschleunigen können. Dies könnte erklären, warum Thrombose-Überlebende häufig einen beschleunigten Gesundheitsverfall erleben.

Die Erkenntnisse sind von unmittelbarer klinischer Relevanz für die Risikostratifizierung und Präventionsstrategien. Die Studie war jedoch auf europäische Bevölkerungsgruppen beschränkt und konnte Lebensstilfaktoren, die sowohl das Altern als auch das Gerinnungsrisiko beeinflussen, nicht berücksichtigen.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Accelerated intrinsic epigenetic aging reduces deep vein thrombosis risk by 3.7%
  • FGF23 protein increases arterial clotting risk by 66-68% in lower extremities
  • Blood clots themselves accelerate biological aging measured by GrimAge clock
  • Portal vein thrombosis reduces biological age measured by PhenoAge clock
  • Bidirectional relationship exists between aging processes and clotting risk

Methodik

Zwei-Stichproben-Mendelsche Randomisierung unter Verwendung genetischer Varianten als Instrumente zur Beurteilung der Kausalität zwischen epigenetischen Alterungsfaktoren und Thromboembolie bei mehr als 400.000 Europäern. Mehrere Sensitivitätsanalysen schlossen Confounding und Pleiotrophie aus.

Studienlimitierungen

Die Studie beschränkt sich auf europäische Bevölkerungsgruppen, was die Verallgemeinerbarkeit möglicherweise einschränkt. Die Mendel'sche Randomisierung kann Lebensstilfaktoren, die sowohl das Altern als auch das Thromboserisiko beeinflussen, nicht berücksichtigen. Einige Assoziationen zeigten geringe Effektgrößen von unsicherer klinischer Relevanz.

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