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ERAS Society aktualisiert 2025 die Leitlinien für eine sicherere Erholung nach Kaiserschnittentbindung

Neue evidenzbasierte Empfehlungen zielen auf die pränatale und präoperative Versorgung ab, um die Genesungsergebnisse für Kaiserschnitt-Patientinnen und ihre Neugeborenen zu verbessern.

Dienstag, 19. Mai 2026 0 Aufrufe
Veröffentlicht in Am J Obstet Gynecol
A pregnant woman in a bright prenatal clinic consulting with a diverse medical team, surgical prep items on a nearby tray.

Zusammenfassung

Die Enhanced Recovery After Surgery (ERAS) Society hat ihre seit 2018 erste Aktualisierung der Leitlinien zur pränatalen und präoperativen Versorgung bei Kaiserschnitten veröffentlicht. Mithilfe eines strengen Delphi-Konsensverfahrens und der GRADE-Evidenzbewertung identifizierte das Expertengremium sechs wichtige Interventionen: Patientenaufklärung während der Schwangerschaft, multidisziplinäre Mitarbeiterschulungen, Optimierung von Begleiterkrankungen wie Anämie und Diabetes, Chlorhexidin-Hautdesinfektion am Vorabend des Eingriffs, aktualisierte präoperative Fastenempfehlungen sowie präoperative Kohlenhydratgetränke. Die ersten drei Maßnahmen kommen während der Schwangerschaft (10.–38. Schwangerschaftswoche) zum Einsatz, während die letzten drei unmittelbar vor der Operation umgesetzt werden. Diese Empfehlungen zielen gemeinsam darauf ab, das Patientenerlebnis zu verbessern, Komplikationen zu reduzieren und die neonatalen Ergebnisse zu verbessern sowie gleichzeitig die Gesundheitskosten zu senken.

Detaillierte Zusammenfassung

Der Kaiserschnitt gehört zu den weltweit am häufigsten durchgeführten Operationen, dennoch mangelte es den Genesungsprotokollen historisch an Standardisierung. Enhanced Recovery After Surgery (ERAS)-Protokolle – ursprünglich für die allgemeine Chirurgie entwickelt – wurden für die Geburtshilfe angepasst, um diese Lücke zu schließen. Dieses Update von 2025 der ERAS Society stellt die erste Überarbeitung der kaiserschnittspezifischen Richtlinien zur prä- und perioperativen Phase seit 2018 dar und spiegelt nahezu sieben Jahre neuer Erkenntnisse wider.

Das Forschungsteam verwendete die Delphi-Methode zur Expertenkonsensbildung und führte eine umfassende Literaturrecherche bis September 2024 in sechs großen Datenbanken durch. Evidenzqualität und Empfehlungsstärke wurden nach dem GRADE-System bewertet, was Transparenz hinsichtlich der Verlässlichkeit jeder Empfehlung gewährleistet.

Sechs Interventionen erhielten formale Empfehlungen. Pränatale Patientenaufklärung und multidisziplinäre Personalschulungen wurden beide mit starken Empfehlungen versehen, obwohl die Evidenzqualität niedrig ist – ein Ausdruck des Expertenkonsenses über ihre grundlegende Bedeutung. Die Optimierung von Begleiterkrankungen – darunter Anämie, Adipositas, Gestationsdiabetes, Bluthochdruck und Rauchen – erhielt eine starke Empfehlung, gestützt auf moderate Evidenz, was unterstreicht, dass eine medizinische Vorbereitung deutlich vor dem Eingriff die Ergebnisse maßgeblich beeinflusst.

Auf präoperativer Seite erhielt die Hautdesinfektion mit Chlorhexidindigluconat am Vorabend der Operation eine schwache Empfehlung auf Basis moderater Evidenz. Aktualisierte Vorgaben zur Nüchternheitsdauer sowie die Verwendung präoperativer Kohlenhydratgetränke wurden ebenfalls prominent aufgeführt, wobei das Kohlenhydratgetränk trotz gemischter Evidenzqualität eine starke Empfehlung erhielt – angesichts seines Potenzials, die Insulinresistenz zu reduzieren und den Patientenkomfort zu verbessern.

Die Leitlinien betonen, dass diese Maßnahmen zwar häufig als Routinepraxis gelten, ihre Umsetzung und ihr messbarer Nutzen jedoch in verschiedenen klinischen Umgebungen erheblich variieren. Die Autoren fordern besser konzipierte Werkzeuge zur gemeinsamen Entscheidungsfindung, die das Begleiterkrankungsmanagement in geburtshilfliche Versorgungspfade integrieren, mit dem übergeordneten Ziel, die mütterliche Genesungsqualität und die neonatalen Ergebnisse bei allen geplanten Kaiserschnitten zu maximieren.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Comorbidity optimization (anemia, obesity, diabetes, hypertension) during pregnancy strongly recommended with moderate evidence.
  • Preoperative carbohydrate drinks earned a strong recommendation to reduce insulin resistance and improve patient comfort.
  • Chlorhexidine gluconate skin prep the evening before surgery received a weak recommendation based on moderate evidence.
  • Multidisciplinary staff education on ERAS protocols strongly recommended despite only low-quality supporting evidence.
  • Antenatal patient education for scheduled cesarean delivery carries a strong recommendation despite low to very low evidence quality.

Methodik

Der Expertenkonsens wurde mittels der Delphi-Methode ermittelt, ergänzt durch eine systematische Literaturrecherche in sechs Datenbanken bis September 2024, die auf RCTs und große Beobachtungsstudien (≥ 800 Patienten) abzielte. Evidenzqualität und Empfehlungsstärke wurden nach dem GRADE-Framework bewertet.

Studienlimitierungen

Mehrere Empfehlungen stützen sich auf Evidenz von geringer oder sehr geringer Qualität, was auf Lücken in den vorhandenen RCT-Daten zu geburtshilflichen ERAS-Interventionen hinweist. Die Leitlinien basieren nur auf den Abstracts, was eine vollständige Beurteilung der Qualität einzelner Studien und der Effektgrößen einschränkt. Die Umsetzungstreue variiert in verschiedenen Gesundheitseinrichtungen erheblich, was die Übertragbarkeit auf die reale Versorgungspraxis einschränken kann.

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