Longevity & AgingPressemitteilung

Gabapentin und Pregabalin erhöhen das Vergiftungsrisiko in den ersten Wochen der Anwendung deutlich

Eine britische Studie mit 17.000 Patienten ergab, dass Gabapentinoid-Anwender zu Beginn der Behandlung ein nahezu doppelt so hohes Risiko einer Arzneimittelvergiftung aufweisen – insbesondere in Kombination mit Opioiden oder Benzodiazepinen.

Samstag, 18. April 2026 0 Aufrufe
Veröffentlicht in MedPage Today
Article visualization: Gabapentin and Pregabalin Raise Poisoning Risk Sharply in First Weeks of Use

Zusammenfassung

Gabapentin und Pregabalin – zwei weit verbreitete Schmerzmittel – erhöhen laut einer großen britischen Studie das Risiko einer Krankenhauseinweisung aufgrund von Arzneimittelvergiftungen in den ersten vier Wochen der Einnahme erheblich. Forscher analysierten über 16.000 Patienten und stellten fest, dass das Risiko kurz nach Beginn der Einnahme dieser Medikamente im Vergleich zu anderen Zeiträumen nahezu doppelt so hoch war. In Kombination mit Benzodiazepinen vervierfachte sich das Risiko; in Kombination mit Opioiden verdoppelte es sich. Obwohl diese Medikamente als sicherere Alternative zu Opioiden vermarktet werden, bergen sie reale Gefahren – insbesondere bei gleichzeitiger Einnahme anderer Substanzen, die das Zentralnervensystem dämpfen. Die Ergebnisse sind besonders relevant, da Gabapentin im Jahr 2024 das fünfthäufigste in US-amerikanischen Apotheken abgegebene Medikament war.

Detaillierte Zusammenfassung

Gabapentinoide – die Wirkstoffklasse, zu der Gabapentin und Pregabalin gehören – gehören zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten in den USA und im Vereinigten Königreich und werden häufig off-label bei chronischen Schmerzen eingesetzt. Eine neue Großstudie, die in PLoS Medicine veröffentlicht wurde, stellt die Annahme in Frage, dass diese Medikamente eine unkompliziert sichere Alternative zu Opioiden darstellen, und deckt erhebliche Vergiftungsrisiken auf, die sich in den ersten Behandlungswochen konzentrieren.

Forschende am University College London analysierten Daten von über 1,35 Millionen britischen Patienten der Primärversorgung, denen zwischen 2010 und 2020 Gabapentinoide verschrieben wurden. Von diesen erlitten 16.827 mindestens einen stationären Krankenhausaufenthalt aufgrund einer Arzneimittelvergiftung. Mithilfe eines selbstkontrollierten Fall-Serien-Designs – bei dem jeder Patient über verschiedene Zeiträume mit sich selbst verglichen wird – stellte das Team fest, dass das Vergiftungsrisiko in den ersten vier Behandlungswochen mit Gabapentinoiden im Vergleich zu Referenzzeiträumen um 81 % höher war.

Das Risiko stieg bei gleichzeitiger Verschreibung weiterer Medikamente drastisch an. Patienten, die Gabapentinoide zusammen mit Benzodiazepinen einnahmen, hatten in diesen kritischen ersten Wochen eine fast viermal höhere Wahrscheinlichkeit, wegen einer Arzneimittelvergiftung hospitalisiert zu werden. Bei denjenigen, die Gabapentinoide mit Opioiden kombinierten, war das Risiko doppelt so hoch. Diese Kombinationen sind verbreitet: 89 % der Studienteilnehmenden hatten zu irgendeinem Zeitpunkt Opioide zusammen mit Gabapentinoiden verschrieben bekommen, und mehr als die Hälfte hatte gleichzeitig Benzodiazepine verschrieben bekommen.

Für gesundheitsbewusste Personen und Patienten mit chronischen Schmerzen haben diese Erkenntnisse ein klares praktisches Gewicht. Das frühe Behandlungsfenster scheint eine Phase erhöhter Vulnerabilität zu sein, was darauf hindeutet, dass eine engmaschigere Überwachung, niedrigere Anfangsdosierungen und eine sorgfältige Überprüfung der gleichzeitig eingenommenen Medikamente Schäden reduzieren könnten. Kliniker sollten besonders vorsichtig sein, wenn sie Gabapentinoide bei Patienten einleiten, die bereits ZNS-Dämpfungsmittel einnehmen.

Wichtige Einschränkungen sind zu beachten. Die Studienpopulation wies hohe Raten an psychischen Erkrankungen und chronischen Schmerzen auf, und absichtliche Vergiftungen wurden zusammen mit unbeabsichtigten erfasst, was die Risikoschätzungen für typische Patienten möglicherweise überhöht. Der britische Erhebungskontext und die spezifischen demografischen Merkmale der Patientengruppe könnten zudem die direkte Übertragbarkeit auf andere Bevölkerungsgruppen einschränken.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Gabapentinoid users had 81% higher drug poisoning hospitalization risk in the first 4 weeks of treatment.
  • Combining gabapentinoids with benzodiazepines nearly quadrupled early poisoning risk (aIRR 3.95).
  • Adding opioids to gabapentinoids doubled poisoning hospitalization risk in the first month.
  • 89% of study participants were co-prescribed opioids alongside gabapentinoids at some point.
  • Gabapentin was the fifth most dispensed drug in US retail pharmacies in 2024, highlighting broad public exposure.

Methodik

Dies ist ein Nachrichtenbericht, der eine begutachtete Studie zusammenfasst, die in PLoS Medicine, einer seriösen Open-Access-Fachzeitschrift, veröffentlicht wurde. Die Studie verwendete ein selbstkontrolliertes Fallseriendesign mit 16.827 Patienten aus dem Vereinigten Königreich aus einer validierten Primärversorgungsdatenbank (CPRD Aurum), das feste Störvariablen kontrolliert, indem Individuen über verschiedene Zeiträume mit sich selbst verglichen werden.

Studienlimitierungen

Die Studie umfasste sowohl absichtliche als auch versehentliche Vergiftungen, was das Risiko für Patienten, die Medikamente bestimmungsgemäß einnehmen, möglicherweise überschätzt. Die Studienpopulation wies hohe Raten an psychischen Erkrankungen und chronischen Schmerzen auf, was die Übertragbarkeit auf gesündere Erwachsene einschränkt. Britische Verschreibungsmuster und der dortige Gesundheitskontext können sich von denen in den USA oder anderen Ländern unterscheiden.

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