Longevity & AgingForschungsarbeitOpen Access

Genetische Zusammenhänge zwischen Herz und Aortendissektionen in neuer Studie aufgedeckt

Forschung identifiziert gemeinsame genetische Risikofaktoren für spontane Koronararterien-Dissektion und Aortendissektion in Familien.

Donnerstag, 9. April 2026 1 Aufruf
Veröffentlicht in J Am Heart Assoc
Split molecular diagram showing healthy vs damaged arterial wall structure with DNA helix overlay, representing genetic influence on vascular integrity

Zusammenfassung

Forscher untersuchten 17 Patienten mit spontaner Koronararterien-Dissektion (SCAD), deren Familienmitglieder an einer Aortendissektion erkrankt waren. Mithilfe von Gesamtgenomsequenzierung identifizierten sie in 35 % der Fälle pathogene genetische Varianten, darunter Mutationen in Genen wie SMAD3, CBS und COL3A1. Die Studie zeigte zudem, dass polygene Risiko-Scores das SCAD-Risiko vorhersagen können. Diese Erkenntnisse deuten auf gemeinsame genetische Mechanismen zwischen diesen beiden schwerwiegenden kardiovaskulären Erkrankungen hin und sprechen für ein genetisches Screening von Familien, die von einer der beiden Erkrankungen betroffen sind.

Detaillierte Zusammenfassung

Spontane Koronararterien-Dissektion (SCAD) betrifft vorwiegend junge Frauen ohne klassische Risikofaktoren für Herzerkrankungen und verursacht Herzinfarkte durch Einrisse in der Arterienwand statt durch Gefäßverschlüsse. Obwohl die genetischen Grundlagen von SCAD bislang wenig erforscht sind, untersuchte diese Studie mögliche Zusammenhänge mit der Aortendissektion, einer weiteren Erkrankung der Arterienwand.

Die Forschenden analysierten genetische Daten von 17 SCAD-Patientinnen (94 % Frauen), die Verwandte ersten oder zweiten Grades (89 % Männer) mit Aortendissektion hatten. Das Team führte Gesamtgenomsequenzierungen durch und berechnete polygene Risikoscores, um die genetische Veranlagung für beide Erkrankungen zu bewerten.

Die Analyse ergab pathogene oder wahrscheinlich pathogene genetische Varianten bei drei Patientinnen (18 %), die die Gene SMAD3, CBS und COL3A1 betrafen – allesamt an der Funktion des Bindegewebes beteiligt. Zusätzlich wurden vier Varianten mit unklarer Signifikanz in Kandidatengenen identifiziert. Die polygenen Risikoscores zeigten ein signifikant erhöhtes SCAD-Risiko bei den Patientinnen im Vergleich zu Kontrollpersonen (Odds Ratio 1,79).

Diese Ergebnisse legen nahe, dass SCAD sowohl seltene genetische Varianten mit starker Wirkung als auch häufige Varianten umfasst, die gemeinsam das Risiko erhöhen. Die Identifizierung gemeinsamer genetischer Pfade zwischen SCAD und Aortendissektion stützt die Hypothese, dass diese Erkrankungen überlappende biologische Mechanismen aufweisen könnten – insbesondere im Hinblick auf die Integrität des Bindegewebes.

Die Forschungsarbeit hat wichtige klinische Implikationen: Demnach sollten SCAD-Patientinnen mit familiärer Vorgeschichte einer Aortendissektion für eine genetische Beratung und Testung in Betracht gezogen werden. Dies könnte dazu beitragen, gefährdete Familienmitglieder zu identifizieren und präventive Maßnahmen zu leiten. Die geringe Stichprobengröße der Studie sowie der Fokus auf familiäre Fälle schränken jedoch die Übertragbarkeit auf alle SCAD-Patientinnen ein.

Wichtigste Erkenntnisse

  • 35% of SCAD patients with family history of aortic dissection carried damaging genetic variants
  • Pathogenic variants found in connective tissue genes SMAD3, CBS, and COL3A1
  • Polygenic risk scores showed 79% increased odds of SCAD in patients versus controls
  • 5% of 435-patient SCAD cohort reported family history of aortic dissection

Methodik

Forscher führten eine Gesamtgenom-Sequenzierung bei 17 SCAD-Patienten mit familiärer Vorgeschichte einer Aortendissektion sowie bei 24 Angehörigen durch. Seltene Varianten wurden anhand klinisch-genetischer Kriterien bewertet, und polygene Risiko-Scores für mehrere kardiovaskuläre Erkrankungen wurden berechnet.

Studienlimitierungen

Die kleine Stichprobengröße von 17 Patienten schränkt die Verallgemeinerbarkeit ein. Die Studie konzentrierte sich speziell auf familiäre Fälle, sodass die Ergebnisse möglicherweise nicht auf sporadische SCAD-Fälle ohne familiäre Vorgeschichte einer Aortendissektion übertragbar sind.

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