HFpEF-Behandlungsrevolution: SGLT2i, Finerenone und GLP-1-Medikamente liefern endlich Ergebnisse
Eine wegweisende Übersichtsarbeit beschreibt, wie drei neue Wirkstoffklassen die Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion transformieren – eine Erkrankung, für die es einst keine bewährte Therapie gab.
Zusammenfassung
Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) betrifft weltweit etwa 32 Millionen Menschen und hatte bis vor Kurzem keine nachgewiesene krankheitsmodifizierende Behandlung. Dieser umfassende Review aus dem Jahr 2026 vom Karolinska Institutet fasst die neuesten Erkenntnisse zusammen und zeigt, dass SGLT2-Inhibitoren, der nicht-steroidale Mineralokortikoidrezeptorantagonist Finerenon sowie GLP-1-Rezeptoragonisten das Management grundlegend verändert haben. Die EMPEROR-Preserved-Studie zeigte, dass Empagliflozin Krankenhauseinweisungen um 29 % reduzierte, während DELIVER ähnliche Vorteile mit Dapagliflozin bestätigte. Die FINEARTS-HF-Studie zu Finerenon demonstrierte eine Reduktion kardiovaskulärer Todesfälle und gesamter HF-Ereignisse. GLP-1-Wirkstoffe, darunter Semaglutid und Tirzepatid, zeigen bedeutende Vorteile für die Lebensqualität bei adipösen HFpEF-Patienten. Der Review behandelt außerdem die komplexe Pathophysiologie, diagnostische Herausforderungen sowie den Bedarf an phänotypspezifischen Behandlungsstrategien.
Detaillierte Zusammenfassung
HFpEF macht weltweit etwa die Hälfte aller Herzinsuffizienzfälle aus – geschätzte 32 Millionen Menschen – doch 35–75 % der Patienten, die die diagnostischen Kriterien erfüllen, werden in der klinischen Praxis nicht erkannt. Die jährliche Sterblichkeit liegt bei annähernd 15 %, die Fünf-Jahres-Rehospitalisierungsrate erreicht 80 %, und die Fünf-Jahres-Sterblichkeit beträgt 50 %. Bis vor Kurzem beschränkte sich die Behandlung auf Diuretika zur Symptomlinderung und die Kontrolle von Begleiterkrankungen, ohne dass ein Medikament nachweislich den Krankheitsverlauf verändern konnte. Diese narrative Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2026 vom Karolinska Institutet und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf fasst das mechanistische Verständnis und die wegweisenden Studiendaten zusammen, die die HFpEF-Versorgung derzeit grundlegend verändern.
Der Abschnitt zur Pathophysiologie geht weit über das veraltete Modell des „steifen Ventrikels infolge von Hypertonie" hinaus und beschreibt HFpEF als ein multisystemisches Syndrom, das durch systemische Entzündung, mikrovaskuläre endotheliale Dysfunktion, gestörte Kalziumhomöostase, RAAS-Überaktivierung und metabolische Entzündung („Metaflammation") angetrieben wird. Adipositas, die bei 30–40 % der HFpEF-Patienten vorliegt, wird als dominanter Phänotyp hervorgehoben: Viszerales Fettgewebe produziert Zytokine wie Interleukin-6, es kommt zu epikardialer Fettakkumulation, Volumenexpansion und neurohormonaler Aktivierung – all dies führt zu einem Anstieg der linksventrikulären Füllungsdrücke und fördert die diastolische Steifigkeit.
Für SGLT2-Inhibitoren beschreibt die Übersichtsarbeit den EMPEROR-Preserved-Trial (n=5.988), in dem Empagliflozin den kombinierten Endpunkt aus kardiovaskulärem Tod oder erster HF-Hospitalisierung um 21 % reduzierte (HR 0,79; 95%-KI 0,69–0,90), was primär durch eine 29%ige Reduktion der HF-Hospitalisierungen bedingt war (HR 0,71; 95%-KI 0,60–0,83). Die kardiovaskuläre Sterblichkeit wurde nicht signifikant reduziert (HR 0,91; 95%-KI 0,76–1,09). Der DELIVER-Trial mit Dapagliflozin lieferte auffallend konsistente Ergebnisse. Eine Metaanalyse beider Studien bei Patienten mit EF ≥50 % bestätigte eine 20%ige Reduktion des kombinierten primären Endpunkts (HR 0,80; 95%-KI 0,73–0,87), mit Hinweisen auf eine ebenfalls reduzierte Gesamtmortalität.
Finerenon, ein selektiver nicht-steroidaler Mineralokortikoidrezeptorantagonist, wurde in FINEARTS-HF (n=6.001) bei Patienten mit HFmrEF oder HFpEF untersucht. Der primäre Endpunkt – Gesamtzahl kardiovaskulärer Todesfälle und gesamte HF-Ereignisse – wurde signifikant reduziert (Rate Ratio 0,84; 95%-KI 0,74–0,95; p=0,007). Damit ist Finerenon das erste Nicht-SGLT2i-Medikament, das einen Ergebnisvorteil in dieser Population nachweisen konnte. Entscheidend ist, dass Finerenon die Hyperkaliämie und renalen Nebenwirkungen vermied, die ältere steroidale MRAs wie Spironolacton einschränkten, welches im TOPCAT-Trial die primären Endpunkte verfehlt hatte.
Für den adipösen HFpEF-Phänotyp zeigten die GLP-1-Rezeptoragonisten Semaglutid und der duale GIP/GLP-1-Agonist Tirzepatid überzeugende Ergebnisse. Der STEP-HFpEF-Trial (Semaglutid 2,4 mg) zeigte eine Verbesserung des KCCQ-Klinischen-Zusammenfassungs-Score um 8,4 Punkte gegenüber 0,7 Punkten unter Placebo (p<0,001) sowie eine mittlere Körpergewichtsreduktion von 13,3 % gegenüber 2,6 % unter Placebo. SUMMIT (Tirzepatid, n=731) zeigte signifikante Reduktionen beim kombinierten Endpunkt aus kardiovaskulärem Tod oder Verschlechterung der HF-Ereignisse (HR 0,62; 95%-KI 0,41–0,95), wobei definitive Mortalitätsdaten aus größeren Kohorten noch ausstehen.
Die Übersichtsarbeit kommt zu dem Schluss, dass HFpEF nun eine phänotypgeleitete Mehrfachmedikamentenstrategie erfordert – SGLT2i als Basistherapie über das gesamte EF-Spektrum, Finerenon zur zusätzlichen neurohormonalen Blockade und GLP-1/GIP-Agonisten gezielt für adipöse Phänotypen. Diagnostische Herausforderungen – darunter niedrige natriuretische Peptide bei adipösen Patienten und die unzureichende Leistung von Scoring-Tools wie HFA-PEFF im Vergleich zu H2FPEF – stellen nach wie vor Barrieren für einen zeitgerechten Therapiebeginn dar. Laufende Studien, die auf Entzündung, Fibrose und mitochondriale Dysfunktion abzielen, könnten weitere Behandlungsoptionen erschließen.
Wichtigste Erkenntnisse
- EMPEROR-Preserved: empagliflozin reduced cardiovascular death or HF hospitalization by 21% (HR 0.79; 95% CI 0.69–0.90), with HF hospitalization alone down 29% (HR 0.71; 95% CI 0.60–0.83)
- Meta-analysis of EMPEROR-Preserved + DELIVER in EF ≥50%: composite primary endpoint reduced by 20% (HR 0.80; 95% CI 0.73–0.87), with evidence of all-cause mortality reduction
- FINEARTS-HF (n=6,001): finerenone cut total cardiovascular deaths and HF events by 16% (rate ratio 0.84; 95% CI 0.74–0.95; p=0.007) — first non-SGLT2i drug to demonstrate outcome benefit in HFpEF/HFmrEF
- STEP-HFpEF: semaglutide 2.4 mg produced a 13.3% body weight reduction vs 2.6% placebo and an 8.4-point vs 0.7-point KCCQ improvement (p<0.001) in obese HFpEF patients
- SUMMIT trial: tirzepatide reduced composite cardiovascular death or worsening HF by 38% (HR 0.62; 95% CI 0.41–0.95) in obese HFpEF patients
- Up to 35–75% of patients meeting HFpEF diagnostic criteria remain unrecognized, and annual mortality approaches 15% with 5-year death rates reaching 50%
- H2FPEF diagnostic score demonstrated greater sensitivity, accuracy, and discriminative ability than HFA-PEFF score when validated against invasive hemodynamics as reference standard
Methodik
Dies ist ein narrativer Übersichtsartikel, der im International Journal of Heart Failure (Januar 2026) veröffentlicht wurde und Belege aus wichtigen randomisierten kontrollierten Studien zusammenfasst, darunter EMPEROR-Preserved, DELIVER, FINEARTS-HF, TOPCAT, STEP-HFpEF und SUMMIT, sowie frühere Metaanalysen und mechanistische Studien. Vom Autorenteam wurden weder Originaldaten erhoben noch statistische Analysen durchgeführt. Der Übersichtsartikel umfasst diagnostische Scoring-Instrumente (H2FPEF, HFA-PEFF), pathophysiologische Rahmenkonzepte und pharmakologische Studienergebnisse; eine formale Methodik für systematische Übersichtsarbeiten wie PRISMA-Screening oder Bewertung des Verzerrungsrisikos wurde nicht angewendet.
Studienlimitierungen
Als narrativer und kein systematischer Review ist der Artikel anfällig für einen Selektionsbias bei der Auswahl der Literatur und bietet keine formale Bewertung der Evidenzqualität. Die besprochenen Studien schlossen vergleichsweise heterogene Populationen ein, und die Behandlungseffekte in spezifischen Subgruppen (z. B. nicht-adipöse HFpEF-Patienten oder Patienten mit sehr hoher Ejektionsfraktion) sind noch nicht vollständig definiert. Die Autoren räumen potenzielle Interessenkonflikte ein, da mehrere von ihnen Honorare oder Forschungsförderungen von Pharmaunternehmen erhalten haben, die die besprochenen Medikamente vermarkten.
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