Longevity & AgingForschungsarbeitOpen Access

Höhere Ergothionein-Blutspiegel mit 40 % geringerem Demenzrisiko in japanischer Studie verknüpft

Eine 11-jährige Studie mit 1.344 älteren Erwachsenen zeigt, dass das aus Pilzen gewonnene Antioxidans Ergothionein möglicherweise vor Alzheimer und anderen Demenzen schützt.

Sonntag, 26. April 2026 12 Aufrufe
Veröffentlicht in Psychiatry Clin Neurosci
Vibrant assortment of fresh mushrooms (shiitake, oyster, button) arranged on wooden cutting board with elderly hands reaching for them in warm kitchen lighting

Zusammenfassung

Eine wegweisende 11-Jahres-Studie mit 1.344 japanischen Erwachsenen ab 65 Jahren ergab, dass höhere Ergothionein-Blutspiegel – ein starkes Antioxidans, das vor allem in Pilzen vorkommt – mit einem deutlich geringeren Demenzrisiko verbunden waren. Teilnehmer im obersten Quartil des Serum-Ergothioneins hatten ein etwa 40 % niedrigeres Risiko, eine Demenz jeglicher Ursache, eine Alzheimer-Erkrankung oder eine Nicht-Alzheimer-Demenz zu entwickeln, verglichen mit jenen im untersten Quartil. Da der menschliche Körper Ergothionein nicht selbst herstellen kann, deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass der Verzehr ergothioneinreicher Lebensmittel – insbesondere Pilze – einen bedeutsamen Schutz vor kognitivem Abbau und Demenz bei alternden Bevölkerungsgruppen bieten könnte.

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Detaillierte Zusammenfassung

Diese wegweisende prospektive Studie aus der renommierten Hisayama-Studie liefert überzeugende Belege dafür, dass Ergothionein, eine einzigartige antioxidative Verbindung, die vorwiegend in Pilzen vorkommt, das Demenzrisiko bei älteren Erwachsenen deutlich senken kann. Die Relevanz dieser Forschung liegt darin, dass es sich um die erste groß angelegte, langfristige Bevölkerungsstudie handelt, die diesen Schutzeffekt anhand objektiver Biomarker-Messungen statt Ernährungsfragebögen nachweist.

Die Forschenden begleiteten 1.344 japanische Gemeindemitglieder im Alter von 65 Jahren und älter über einen medianen Zeitraum von 11,2 Jahren (2012–2023) und maßen die Ausgangs-Serumkonzentrationen von Ergothionein mittels fortgeschrittener Flüssigchromatographie-Massenspektrometrie. Die Teilnehmenden wurden anhand ihrer Ergothionein-Konzentrationen in Quartile eingeteilt und mithilfe umfassender neuropsychologischer Untersuchungen und klinischer Beurteilungen auf die Entwicklung einer Demenz hin beobachtet.

Die Ergebnisse waren eindrücklich: 273 Teilnehmende entwickelten im Verlauf des Follow-ups eine Demenz (201 mit Alzheimer-Krankheit, 72 mit Nicht-Alzheimer-Demenz). Personen im höchsten Ergothionein-Quartil wiesen bei allen Demenzarten ein deutlich geringeres Risiko auf. Der Schutzeffekt blieb auch nach Bereinigung um kardiovaskuläre Faktoren, Lebensstilfaktoren und – besonders bedeutsam – die tägliche Gemüseaufnahme robust, was darauf hindeutet, dass der Nutzen von Ergothionein über allgemeine gesunde Ernährungsgewohnheiten hinausgeht.

Subgruppenanalysen zeigten, dass die schützenden Wirkungen von Ergothionein unabhängig vom Gemüseverzehr der Teilnehmenden konsistent waren, was darauf hindeutet, dass diese Verbindung einzigartige neuroprotektive Vorteile bietet. Da Ergothionein vom menschlichen Körper nicht selbst synthetisiert werden kann und die Blutspiegel die Nahrungsaufnahme über etwa einen Monat widerspiegeln, unterstützen diese Befunde unmittelbar das Potenzial für Ernährungsinterventionen.

Die Implikationen sind für alternde Bevölkerungen weltweit bedeutsam. Pilze sind die reichhaltigste Nahrungsquelle für Ergothionein, wobei einige Sorten besonders hohe Konzentrationen enthalten. Diese Forschung liefert eine wissenschaftliche Grundlage dafür, den Verzehr von Pilzen in Strategien zur Demenzprävention einzubeziehen, und bietet eine praktische, leicht zugängliche Maßnahme, die bestehende Empfehlungen zur Hirngesundheit ergänzen könnte.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Highest ergothioneine quartile associated with ~40% lower all-cause dementia risk
  • Protective effects observed for both Alzheimer's and non-Alzheimer's dementias
  • Benefits remained significant after adjusting for vegetable intake and lifestyle factors
  • Ergothioneine protection consistent across different dietary patterns
  • First large-scale prospective study linking blood ergothioneine to dementia prevention

Methodik

Prospektive Kohortenstudie mit 1.344 japanischen Erwachsenen ab 65 Jahren, die über einen medianen Zeitraum von 11,2 Jahren nachverfolgt wurden. Das Ergothionein im Serum wurde zu Studienbeginn mittels Flüssigchromatographie-Massenspektrometrie gemessen; während der gesamten Nachbeobachtungszeit erfolgten umfassende Demenzbeurteilungen anhand etablierter klinischer Kriterien.

Studienlimitierungen

Die Beschränkung auf eine einzelne ethnische Bevölkerungsgruppe könnte die Übertragbarkeit auf andere Gruppen einschränken. Das Beobachtungsdesign lässt keine Kausalaussagen zu. Ergothionein wurde nur zu Studienbeginn gemessen, ohne Veränderungen im Zeitverlauf zu berücksichtigen. Residuelles Confounding durch nicht erfasste Lebensstil- oder genetische Faktoren ist möglich.

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