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Wie Fettleibigkeit chronische Entzündungen im Alter fördert – Die Adipaging-Verbindung

Eine umfassende Übersichtsarbeit zeigt, wie Adipositas und Alterung durch gemeinsame entzündliche Biomarker konvergieren und das Krankheitsrisiko bei älteren Menschen beschleunigen.

Sonntag, 31. Mai 2026 10 Aufrufe
Veröffentlicht in Cells
An elderly patient sitting across from a doctor in a clinical exam room, with a measuring tape around the patient's waist and a tablet showing body composition data on the desk

Zusammenfassung

Diese narrative Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025, verfasst von griechischen Kardiologen, kartiert die Entzündungsbiomarker, die Adipositas und Alterung in älteren Bevölkerungsgruppen miteinander verbinden. Die Autoren prägen für diese Überschneidung den Begriff „Adipaging" – ein Zustand, bei dem dysfunktionales Fettgewebe eine chronische niedriggradige Entzündung antreibt. Zu den untersuchten wichtigsten Biomarkern zählen CRP, IL-6, Leptin, Adiponectin, Visfatin, TNF-α, Fibrinogen und CXCL-16. Die CRP-Werte verdoppeln sich in etwa mit jeder Adipositasklasse. Viszerales Fett akkumuliert mit zunehmendem Alter, während subkutanes Fett abnimmt – dies verschiebt den Körper in einen metabolisch schädlicheren Zustand. Epikardiales Fett wandelt sich von einem thermogen-protektiven zu einem entzündungsfördernden Gewebe und sezerniert MCP-1, TNF-α und IL-1β direkt in das Koronargewebe. Die Übersichtsarbeit betont, dass diese Biomarker Adipositas nicht nur widerspiegeln, sondern bei älteren Erwachsenen aktiv kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes und Gebrechlichkeit vorantreiben – und damit potenzielle Zielstrukturen für Präzisionsinterventionen darstellen.

Detaillierte Zusammenfassung

Da die Weltbevölkerung altert und die Adipositasraten steigen – die WHO berichtet, dass im Jahr 2022 weltweit 16 % der Erwachsenen an Adipositas leiden – entwickelt sich die Schnittstelle dieser beiden Erkrankungen zu einer zentralen Herausforderung für die öffentliche Gesundheit. Dieser narrative Review aus dem Jahr 2025, verfasst von Kardiologen mehrerer griechischer akademischer Medizinzentren, fasst zwischen Juli 2000 und September 2025 veröffentlichte Evidenz zusammen und katalogisiert die Entzündungsbiomarker, die adipöse ältere Personen charakterisieren. Die Autoren führen den Begriff „Adipaging" ein, um die konvergente Pathophysiologie von Altern und Adipositas zu beschreiben, die beide dysfunktionales Fettgewebe, eine Dysregulation von Immunzellen und eine erhöhte systemische Entzündung aufweisen – ein Zustand, der manchmal als „Inflammaging" bezeichnet wird.

Auf Gewebeebene bewirkt das Altern eine gut dokumentierte Umverteilung von Fett: Das subkutane Fettgewebe (SAT) nimmt ab, während das viszerale und perikardiale Fettgewebe (VAT) zunehmen. Dies ist von Bedeutung, da VAT metabolisch schädlich ist und seneszente Zellen beherbergt, die pro-inflammatorische Zytokine freisetzen, während SAT metabolisch neutral oder sogar schützend wirkt. Das braune Fettgewebe (BAT) nimmt mit dem Alter ab – insbesondere bei Männern – und beiges Fettgewebe wird durch Seneszenz und chronische Entzündung dysfunktional. Besonders bemerkenswert ist das epikardiale Fettgewebe: Bei Adipositas wandelt es sich von einem thermogen-schützenden Gewebe in ein entzündliches Depot um, das MCP-1, TNF-α und IL-1β direkt in das angrenzende Myokard und die Koronararterien absondert.

Unter den klassischen Biomarkern zeigt das C-reaktive Protein (CRP) mit jeder Zunahme der Adipositasklasse eine progressive, nahezu Verdopplung und ist zusätzlich erhöht, wenn Adipositas zusammen mit Hypertonie oder Typ-2-Diabetes auftritt. Fibrinogen steigt ebenfalls mit der Adipositasklasse an. IL-6 und CXCL-16 sind bei übergewichtigen und adipösen älteren Menschen im Vergleich zu normalgewichtigen Gleichaltrigen erhöht und korrelieren positiv mit anthropometrischen Parametern, die mit dem kardiovaskulären Risiko in Verbindung stehen. Leptin, das hauptsächlich aus weißem Fettgewebe produziert wird, ist proportional zur Fettmasse erhöht; ältere Erwachsene zeigen zusätzlich eine Leptinresistenz aufgrund einer beeinträchtigten hypothalamischen Rezeptorsignalübertragung und einer reduzierten Expression des Leptintransporters LepRa in peripheren Monozyten. Diese Resistenz bedeutet, dass Hyperleptinämie bei älteren Menschen sowohl auf überschüssiges Fett als auch auf eine abgeschwächte homöostatische Reaktion hinweist.

Visfatin, das aus VAT sowohl von Adipozyten als auch von infiltrierenden Makrophagen sezerniert wird, ist bei Adipositas erhöht, zeigt jedoch eine inverse Beziehung zum Alter: Mehrere Studien belegen einen stetigen Rückgang der Plasma-Visfatin-Spiegel pro Lebensjahr bei adipösen nicht-diabetischen Probanden. Dieser altersbedingte Rückgang erschwert seinen Nutzen als Biomarker in älteren Populationen. Adiponectin weist das umgekehrte Muster auf – es wirkt antiinflammatorisch und insulinsensibilisierend, ist jedoch paradoxerweise bei Adipositas trotz steigender Fettmasse reduziert, und seine Spiegel werden durch Geschlecht und Fettgewebedepot moduliert. Die Verschiebung von antiinflammatorischen B-1-Zellen zu pro-inflammatorischen B-2-Zellen im Fettgewebe, die sowohl durch Adipositas als auch durch das Altern angetrieben wird, verstärkt die Zytokinproduktion einschließlich IL-6 und TNF-α weiter und perpetuiert einen sich selbst verstärkenden Entzündungskreislauf, der mit Insulinresistenz und Atherosklerose verknüpft ist.

Der Review hebt wichtige klinische Nuancen hervor: Sarkopene Adipositas – Verlust von Muskelmasse kombiniert mit überschüssigem Fett – betrifft etwa 10 % der älteren Erwachsenen und wird durch den BMI allein nur unzureichend erfasst. Das „Adipositas-Paradoxon", bei dem übergewichtige Personen mit chronischen Erkrankungen manchmal ein besseres kurzfristiges Überleben zeigen als normalgewichtige, wird teilweise durch Unterschiede in der Fettverteilung und Kachexieeffekte erklärt. Die Autoren argumentieren, dass die Klärung der Frage, ob diese Biomarker beim Altern gegenüber Adipositas komplementär oder unabhängig wirken, gezielte therapeutische Strategien erschließen könnte. Sie fordern weitere Forschung speziell in älteren Kohorten und weisen darauf hin, dass die meisten Biomarkerdaten aus altersgemischten oder mittelalterlichen erwachsenen Populationen stammen.

Wichtigste Erkenntnisse

  • CRP levels nearly double with each increase in obesity class compared to normal weight individuals, and are further elevated when obesity co-exists with hypertension or type 2 diabetes
  • Subcutaneous adipose tissue decreases with age while visceral and pericardial VAT increase, shifting the metabolic risk profile of elderly individuals toward greater inflammation
  • Sarcopenic obesity — excess fat combined with muscle loss — affects approximately 10% of older adults and is associated with worse quality of life and clinical outcomes
  • Visfatin plasma levels show a steady inverse relationship with age in obese non-diabetic subjects, decreasing progressively for each year of age across multiple independent studies
  • Epicardial adipose tissue transitions from thermogenic-protective to inflammatory in obesity, secreting MCP-1, TNF-α, and IL-1β directly into myocardium and coronary arteries
  • Obesity drives a shift from anti-inflammatory B-1 cells to pro-inflammatory B-2 cells in adipose tissue, amplifying IL-6 and TNF-α production and perpetuating insulin resistance and atherosclerosis
  • WHO data (2022): 16% of adults globally — 1 in 8 people — are living with obesity, with the elderly projected to exceed 2.2 billion individuals by the late 2070s, compounding the public health burden

Methodik

Dies ist ein narratives Review (kein systematisches Review oder eine Metaanalyse) der Literatur, die von Juli 2000 bis September 2025 veröffentlicht wurde und über PubMed und Embase mithilfe von MeSH-Begriffen und booleschen Operatoren identifiziert wurde. Die Suchbegriffe umfassten „obesity", „inflammatory biomarkers", „aging", „immune system", „inflammatory aging" und „elderly population", wobei die Literaturverzeichnisse der eingeschlossenen Artikel manuell durchgesehen wurden. Es wurde kein formales PRISMA-Protokoll, keine Bewertung des Verzerrungsrisikos und keine quantitative Zusammenführung von Effektgrößen durchgeführt, was dem narrativen Review-Design entspricht, jedoch die Aussagekraft der Schlussfolgerungen einschränkt.

Studienlimitierungen

Als narrativer und nicht systematischer Review lässt sich ein Selektionsbias bei den einbezogenen Studien nicht ausschließen; zudem wurde weder eine formale Qualitätsbewertung noch eine metaanalytische Synthese durchgeführt. Die meisten der untersuchten Grundlagenstudien wurden an gemischten Altersgruppen oder Erwachsenen mittleren Alters durchgeführt, was eine direkte Übertragung auf ältere Bevölkerungsgruppen einschränkt; die Autoren fordern ausdrücklich mehr Biomarker-Forschung speziell an älteren Kohorten. Es wurden keine externen Fördermittel erhalten, und die Autoren erklärten keine Interessenkonflikte.

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