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Inflammaging könnte ein westliches Phänomen sein – kein universelles Merkmal des Alterns

Eine groß angelegte bevölkerungsübergreifende Studie zeigt, dass chronische, mit dem Altern verbundene Entzündungen möglicherweise auf industrialisierte Lebensweisen zurückzuführen sind – und nicht allein auf biologische Faktoren.

Donnerstag, 7. Mai 2026 0 Aufrufe
Veröffentlicht in Nat Aging
Side-by-side microscopy view of immune cells with glowing cytokine signals, split between a modern city skyline and a lush Amazon rainforest backdrop.

Zusammenfassung

Inflammaging – der altersbedingte Anstieg chronischer Entzündungen – gilt weithin als universelles Merkmal des Alterungsprozesses. Eine neue Studie stellt diese Annahme jedoch in Frage, indem sie Zytokinmuster in vier Populationen vergleicht: einer italienischen Kohorte, einer singapurischen Kohorte und zwei indigenen Gruppen (den Tsimane aus Bolivien und den Orang Asli aus Malaysia). Während die industrialisierten Populationen ähnliche Inflammaging-Muster zeigten, wiesen die indigenen Gruppen deutlich unterschiedliche Zytokinstrukturen auf – mit keinem oder nur geringem altersbedingten Anstieg und ohne Zusammenhang mit altersbedingten Erkrankungen. Die Ergebnisse legen nahe, dass Inflammaging, so wie es derzeit gemessen wird, möglicherweise vor allem Lebensstilfaktoren industrialisierter Gesellschaften widerspiegelt – wie Ernährung, Bewegungsmangel und Umwelteinflüsse – und weniger einen fest verankerten biologischen Alterungsprozess.

Detaillierte Zusammenfassung

Inflammaging — der allmähliche, chronische Anstieg von Entzündungsmarkern im Alter — wurde in den Rang eines universellen Kennzeichens des Alterns erhoben und gilt als mitverantwortlich für nahezu jede bedeutende altersbedingte Erkrankung. Eine provokante neue Studie, die in Nature Aging veröffentlicht wurde, legt jedoch nahe, dass diese Einstufung möglicherweise verfrüht ist und dass Inflammaging eher ein Produkt moderner, industrialisierter Umgebungen sein könnte als ein unvermeidliches Merkmal der menschlichen Biologie.

Die Forschenden analysierten ein Panel aus 19 zirkulierenden Zytokinen aus vier unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen: der InCHIANTI-Kohorte aus Italien (als Referenzdatensatz), der Singapore Longitudinal Aging Study sowie zwei nicht industrialisierten indigenen Gruppen — den Tsimane aus dem bolivianischen Amazonasgebiet und den Orang Asli von der malaiischen Halbinsel. Sie untersuchten, ob sich die in InCHIANTI identifizierte Zytokin-Achsen-Struktur in diesen Gruppen replizieren ließ und ob sie mit dem Alter sowie altersbedingten Gesundheitsfolgen korrelierte.

Die Singapurer Kohorte spiegelte die italienischen Ergebnisse weitgehend wider — mit Ausnahme von IL-6 und IL-1RA —, was auf eine gewisse Konsistenz in industrialisierten Umgebungen hindeutet. Die Tsimane und Orang Asli hingegen zeigten deutlich abweichende Zytokin-Achsen-Strukturen. Entscheidend ist, dass die Inflammaging-Achse in diesen indigenen Gruppen kaum oder gar keinen Zusammenhang mit dem chronologischen Alter und keinen nennenswerten Bezug zu altersbedingten Erkrankungen aufwies.

Diese Befunde haben weitreichende Konsequenzen dafür, wie das Forschungsfeld Inflammaging konzeptualisiert und misst. Wenn das Phänomen in Bevölkerungsgruppen, die einen traditionellen Lebensstil führen — mit hoher körperlicher Aktivität, einer anderen Ernährungsweise und einem anderen Infektionskrankheitsspektrum — weitgehend absent ist, könnte es kumulierte Belastungen durch die moderne Lebensweise widerspiegeln und kein intrinsisches Merkmal der Alterungsbiologie darstellen.

Die Studie ist durch ihre Abhängigkeit von querschnittlichen Vergleichen und einem einzigen Zytokin-Messrahmen limitiert. Dennoch wirft sie wichtige Fragen auf: ob entzündungshemmende Interventionen, die auf Inflammaging abzielen, auf unterschiedliche menschliche Bevölkerungsgruppen übertragbar sind und ob die aktuellen Biomarker für eine breitere Anwendbarkeit neu konzipiert werden müssen.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Inflammaging cytokine patterns replicated between Italian and Singaporean industrialized cohorts, with minor differences in IL-6 and IL-1RA.
  • Tsimane and Orang Asli indigenous populations showed markedly different cytokine axis structures compared to industrialized cohorts.
  • In indigenous populations, the inflammaging axis had little to no correlation with chronological age.
  • No association was found between the inflammaging axis and age-related diseases in nonindustrialized groups.
  • Results suggest inflammaging may be largely a byproduct of industrialized lifestyles rather than a universal aging hallmark.

Methodik

Die Studie verglich Zytokin-Achsenstrukturen, die aus 19 zirkulierenden Zytokinen abgeleitet wurden, in vier Kohorten: InCHIANTI (Italien), Singapore Longitudinal Aging Study, Tsimane (Bolivien) und Orang Asli (Malaysia). Die Forscher untersuchten die strukturelle Ähnlichkeit der Zytokin-Achsen sowie deren Zusammenhänge mit dem Alter und altersbedingten Krankheitsverläufen in den verschiedenen Bevölkerungsgruppen.

Studienlimitierungen

Die Studie stützt sich auf ein spezifisches 19-Zytokin-Panel aus der InCHIANTI-Studie, das möglicherweise nicht das vollständige Entzündungsgeschehen in nicht-westlichen Bevölkerungsgruppen abbildet. Querschnittsvergleiche schränken kausale Schlussfolgerungen darüber ein, wie sich Inflammaging-Verläufe im Zeitverlauf entwickeln. Unterschiede in der Infektionskrankheitslast, der Ernährung und der körperlichen Aktivität zwischen den Bevölkerungsgruppen erschweren direkte biologische Vergleiche.

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