Eisenpräparate könnten Alterungsprozesse durch Entzündungen beschleunigen, zeigt Studie
Eine große NHANES-Studie zeigt, dass Eisenpräparate über 18 mg täglich die biologische Alterung beschleunigen, während entzündungshemmende Ernährungsweisen vor diesem Effekt schützen könnten.
Zusammenfassung
Eine Studie mit 8.692 Erwachsenen ergab, dass die Eisenaufnahme eine U-förmige Beziehung zur biologischen Alterung aufweist. Unterhalb von 18,4 mg täglich schützt Eisen vor Alterung, höhere Mengen hingegen beschleunigen sie. Entscheidend ist, dass Eisen aus Lebensmitteln keine schädlichen Auswirkungen zeigte, während Eisen-Nahrungsergänzungsmittel die Alterungsbeschleunigung verstärkten. Teilnehmer mit supplementbedingter Eisenüberladung alterten schneller als jene, die Eisen vorwiegend über die Nahrung aufnahmen. Eine entzündungshemmende oder antioxidative Ernährung konnte diesen beschleunigten Alterungseffekt jedoch ausgleichen.
Detaillierte Zusammenfassung
Die Rolle von Eisen im Alterungsprozess ist bislang unklar gewesen – das Mineral ist einerseits essenziell für die Gesundheit und andererseits in übermäßiger Menge potenziell schädlich. Diese umfassende Studie analysierte Daten von 8.692 amerikanischen Erwachsenen, um zu verstehen, wie verschiedene Eisenquellen die biologische Alterung beeinflussen.
Die Forschenden verwendeten die phänotypische Altersbeschleunigung (PhenoAgeAccel) als Maß für die biologische Alterung, die das Sterblichkeitsrisiko besser vorhersagt als das chronologische Alter. Sie untersuchten die Gesamteisenaufnahme, das Nahrungseisen aus Lebensmitteln und das Eisen aus Nahrungsergänzungsmitteln getrennt, um deren jeweilige Auswirkungen zu verstehen.
Die Studie ergab einen kritischen Schwellenwert bei einer täglichen Eisenaufnahme von 18,4 mg. Unterhalb dieses Wertes wirkte eine höhere Eisenaufnahme schützend gegen Alterung. Darüber beschleunigte Eisen den Alterungsprozess. Wichtig dabei: Eisen aus Nahrungsquellen allein zeigte keinerlei schädliche Auswirkungen auf die Alterung, unabhängig von der aufgenommenen Menge. Eisen aus Nahrungsergänzungsmitteln hingegen beschleunigte die biologische Alterung durchgängig.
Mithilfe einer Clusteranalyse identifizierten die Forschenden zwei unterschiedliche Gruppen: jene, die Eisen hauptsächlich aus der Nahrung beziehen (Referenzgruppe für Nahrungseisen), und jene mit einer durch Nahrungsergänzungsmittel bedingten Eisenüberladung, bei der Nahrungsergänzungsmittel 83 % der Gesamteisenaufnahme ausmachten. Die Gruppe mit hohem Nahrungsergänzungsmittelkonsum zeigte eine deutlich beschleunigte biologische Alterung.
Als zugrundeliegender Mechanismus kommt Entzündung infrage. Verschiedene Entzündungsmarker vermittelten die Beziehung zwischen überschüssigem Eisen und beschleunigter Alterung teilweise und erklärten 15–26 % des Effekts. Teilnehmende, die sich nach entzündungshemmenden oder antioxidativen Ernährungsmustern ernährten, waren jedoch vor der eisenbedingten Alterungsbeschleunigung geschützt.
Diese Erkenntnisse legen nahe, dass zwar ein Eisenmangel vermieden werden sollte, eine übermäßige Supplementierung jedoch dem gesunden Altern abträglich sein kann. Die Forschung spricht dafür, Eisen vorrangig aus Nahrungsquellen zu beziehen, und unterstreicht die Schutzwirkung entzündungshemmender Ernährung bei der Abschwächung potenzieller Risiken durch Nahrungsergänzungsmittel.
Wichtigste Erkenntnisse
- Iron intake shows U-shaped relationship with aging, with 18.4mg daily as optimal threshold
- Dietary iron from food sources shows no harmful aging effects at any intake level
- Iron supplements consistently accelerate biological aging through inflammatory pathways
- Anti-inflammatory diets can counteract supplement-driven aging acceleration
- Supplement-heavy users aged significantly faster than food-iron consumers
Methodik
Querschnittsanalyse der NHANES-Daten 2017–2018 mit 8.692 Erwachsenen ab 20 Jahren. Zur Bewertung nichtlinearer Zusammenhänge wurden gewichtete eingeschränkte kubische Splines verwendet, zur Identifikation von Eisenexpositionsmustern ein K-Means-Clustering. Das biologische Alter wurde anhand der phänotypischen Altersbeschleunigung mittels neun klinischer Biomarker gemessen.
Studienlimitierungen
Das Querschnittsdesign verhindert kausale Schlussfolgerungen. Die Eisenzufuhr, die mittels 24-Stunden-Ernährungsprotokollen erfasst wurde, spiegelt möglicherweise keine langfristigen Ernährungsmuster wider. Eine Unterscheidung zwischen Häm- und Nicht-Häm-Eisen war nicht verfügbar. Trotz umfangreicher Adjustierung für demografische und gesundheitliche Faktoren ist ein Restconfounding möglich.
Hat dir diese Zusammenfassung gefallen?
Erhalte die neueste Longevity-Forschung jede Woche in deinen Posteingang.
E-Mail-Adresse zum Abonnieren eingeben:
