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ISSN veröffentlicht ersten evidenzbasierten Ernährungsleitfaden für MMA- und Kampfsportathleten

Die International Society of Sports Nutrition veröffentlicht 16 offizielle Positionspunkte zu Ernährung, Gewichtsreduktion und Erholung für Kampfsportler.

Samstag, 27. Juni 2026 1 Aufruf
Veröffentlicht in J Int Soc Sports Nutr
A lean MMA fighter on a scale in a locker room, surrounded by water bottles and meal prep containers under bright fluorescent light.

Zusammenfassung

Die International Society of Sports Nutrition (ISSN) hat ihr erstes umfassendes Positionspapier zu Ernährungs- und Gewichtsreduktionsstrategien für Mixed Martial Arts und andere Kampfsportarten veröffentlicht. Gestützt auf eine umfangreiche Literaturrecherche in PubMed, MEDLINE und Google Scholar synthetisierte das Expertengremium die Evidenz über vier Phasen hinweg: allgemeine Vorbereitung, Fight Camp, Wettkampfwoche und Erholung nach der Gewichtskontrolle. Zu den wichtigsten Empfehlungen zählen: das Körpergewicht in wettkampffernen Phasen 12–15 % über dem Divisionsgewicht zu halten, während der schrittweisen Gewichtsreduktion die Proteinzufuhr zu priorisieren, um die Muskelmasse zu erhalten, in den letzten 24–48 Stunden vor der Gewichtskontrolle strukturierte Strategien zur akuten Wasserausscheidung anzuwenden sowie nach der Gewichtskontrolle orale Rehydrationslösungen in Kombination mit schnell verfügbaren Kohlenhydraten einzusetzen. Das Dokument beleuchtet außerdem die wesentlichen Unterschiede zwischen Sportarten mit einem Wiegezeitfenster von 24–36 Stunden gegenüber solchen mit einer Wiegung am selben Wettkampftag.

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Detaillierte Zusammenfassung

Kampfsportarten wie MMA, Boxen, Ringen, Judo und brasilianisches Jiu-Jitsu werden in Gewichtsklassen ausgetragen, weshalb Ernährungsstrategie und Gewichtsmanagement zentrale Aspekte der Athletenvorbereitung und Sicherheit darstellen. Trotz des rasanten weltweiten Wachstums der Sportart – symbolisiert durch den UFC, der jährlich über eine Milliarde Dollar erwirtschaftet – fehlte es bislang an evidenzbasierter Ernährungsberatung, die speziell auf Kampfsportler zugeschnitten ist. Dieses ISSN-Positionspapier stellt den ersten formalen Versuch dar, die verfügbare Wissenschaft in umsetzbare Empfehlungen zu konsolidieren.

Die Autoren führten eine systematische Literaturrecherche in PubMed, MEDLINE und Google Scholar durch und verwendeten dabei Begriffe aus den Bereichen Kampfsport, akutes Gewichtsschneiden, Bioenergetik, Glykogenstatus, Hydration und Nährstoff-Timing. Die Studien wurden nach vier Phasen der Kampfsportvorbereitung kategorisiert: allgemeine Vorbereitung (außerhalb des Trainingslagers), Trainingscamp, Kampfwoche und Erholung nach dem Wiegen. Eine wesentliche strukturelle Erkenntnis der Arbeit ist, dass der Zeitpunkt des Wiegens die zulässigen Strategien maßgeblich bestimmt: Sportarten mit einem Zeitfenster von 24–36 Stunden (professionelles MMA, Boxen) erlauben aggressiven akuten Wasserverlust und eine robuste Rehydration, während Sportarten mit Wiegen am selben Wettkampftag (Ringen, brasilianisches Jiu-Jitsu) nur 1–2 Stunden Erholung bieten, was eine stärkere Abhängigkeit von tatsächlichem Fettabbau anstelle akuter Dehydration erfordert.

Bioenergetisch wird MMA als eine Sportart mit gemischtem Energiebedarf charakterisiert: Kämpfe, die über 4 Minuten andauern, beziehen mehr als 70 % der Energie aus aeroben Stoffwechselwegen, während explosive Aktionen auf das ATP-PCr- und das glykolytische System zurückgreifen. Diese doppelte Anforderung prägt den Makronährstoffbedarf über alle Phasen hinweg. Außerhalb des Trainingscamps wird Athleten empfohlen, ihre Körpermasse 12–15 % oberhalb ihrer Zielgewichtsklasse zu halten. Für das Trainingscamp werden Mindestmengen an Makronährstoffen festgelegt: Kohlenhydrate 3,0–4,0 g/kg, Protein 1,2–2,0 g/kg und Fett 0,5–1,0 g/kg/Tag. Protein wird besonders betont, um die Muskelmasse bei Kalorienrestriktion zu erhalten, während Kohlenhydrate die Trainingsleistung unterstützen.

Für die Kampfwoche enthält das Positionspapier spezifische Empfehlungen zu sicheren Raten der Körpermassenreduktion: 6,7 % bei 72 Stunden, 5,7 % bei 48 Stunden und 4,4 % bei 24 Stunden vor dem Wiegen. Glykogenentleerung durch Training und Kohlenhydratrestriktion kann einen Körpermassenverlustvon 1–2 % bewirken, und eine ballaststoffarme Ernährung unter 10 g/Tag über 4 Tage führt durch reduzierten Darminhalt zu vergleichbaren Verlusten. Akuter Wasserverlust durch Sauna, Heißwasserbäder und Kompressionsverbände wird innerhalb eines überwachten Bereichs von 2–4 % der Körpermasse innerhalb von 24 Stunden vor dem Wiegen befürwortet. Natriumrestriktion in Kombination mit Wasserloading wird als wirksame Methode zur Induktion von Polyurie hervorgehoben.

Rehydrationsprotokolle nach dem Wiegen priorisieren orale Rehydrationslösungen mit 1–1,5 Litern pro Stunde und 50–90 mmol/dL Natrium, gefolgt von schnell wirkenden Kohlenhydraten mit ≤60 g/Stunde. Athleten, die eine erhebliche Glykogenentleerung erfahren haben, benötigen möglicherweise eine Kohlenhydratzufuhr von 8–12 g/kg, während jene mit moderater Restriktion unter Umständen nur 4–7 g/kg benötigen. Das übergeordnete Ziel ist es, vor dem Wettkampf mindestens 10 % der Körpermasse zurückzugewinnen, um Leistungseinbußen zu minimieren. Die Nahrungsergänzung mit Kreatin, Beta-Alanin, HMB und Koffein wird über alle Vorbereitungs- und Wettkampfphasen hinweg unterstützt. Die Autoren weisen darauf hin, dass die langfristigen gesundheitlichen Folgen wiederholter Gewichtszyklen bei Kampfsportlern noch unzureichend verstanden sind und weiterer Untersuchung bedürfen.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Athletes should stay 12–15% above their weight class during off-camp to allow safe longitudinal descent during fight camp.
  • Acute water loss of 2–4% body mass within 24 hours of weigh-in is considered safe under appropriate supervision.
  • Post-weigh-in rehydration should use oral solutions with 50–90 mmol/dL sodium at 1–1.5 L/hour, followed by fast-acting carbs.
  • Protein floors of 1.2–2.0 g/kg/day during fight camp are essential to preserve lean mass during caloric restriction.
  • Long-term health effects of repeated weight cuts remain unknown, representing a critical gap in the combat sports literature.

Methodik

Dies ist ein narrativer Positionsstandpunkt, der auf einer umfassenden Auswertung von Fachliteratur aus PubMed, MEDLINE und Google Scholar basiert. Die Suchbegriffe umfassten Bioenergetik, Hydratation, Gewichtsreduktion, Glykogenstatus und Nährstoff-Timing. Studien wurden unabhängig von methodischen Einschränkungen ausgewählt, angesichts der geringen Anzahl kampfsportspezifischer Forschungsarbeiten.

Studienlimitierungen

Die Evidenzbasis ist durch einen Mangel an hochwertiger, kampfsportspezifischer Forschung eingeschränkt, und viele Empfehlungen werden aus der allgemeinen Sporternährung oder verwandten Disziplinen abgeleitet. Die langfristigen gesundheitlichen Folgen wiederholter Gewichtsschwankungen werden ausdrücklich als unbekannt anerkannt. Die individuelle Variabilität in Körperzusammensetzung, Trainingsbelastung und Stoffwechselrate wird durch Empfehlungen auf Bevölkerungsebene nicht vollständig erfasst.

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