Longevity & AgingForschungsarbeitOpen Access

Niedrig dosiertes Aspirin zeigt keine langfristigen Vorteile für gesundes Altern bei älteren Erwachsenen

Große Studie zeigt: Aspirin verlängert bei Senioren nicht die gesunde Lebensspanne – und stellt damit die Hoffnung auf eine einfache Anti-Aging-Intervention in Frage.

Montag, 6. April 2026 0 Aufrufe
Veröffentlicht in Lancet Healthy Longev
Elderly hands holding a small white aspirin tablet next to a pill organizer, with a calendar showing crossed-off days in soft morning light

Zusammenfassung

Die ASPREE-XT-Studie begleitete 15.633 ältere Erwachsene über fast ein Jahrzehnt, um zu untersuchen, ob niedrig dosiertes Aspirin die gesunde Lebensspanne verlängern kann. Obwohl Aspirin theoretisch aufgrund seiner Anti-Aging-Eigenschaften von Nutzen sein könnte, stellten die Forscher nach dem Absetzen des Medikaments keine Nachwirkungen fest und fanden keine langfristigen Vorteile hinsichtlich der Prävention von Demenz, Behinderung oder Tod. Die Studie stellt die Hypothese in Frage, dass Aspirin als einfache Intervention für gesundes Altern bei selbstständig lebenden Senioren dienen könnte.

Detaillierte Zusammenfassung

Diese wegweisende Studie befasst sich mit einer zentralen Frage der Altersforschung: ob niedrig dosiertes Aspirin die gesunde Lebensspanne älterer Erwachsener verlängern kann. Angesichts weltweiter Initiativen zur Erhöhung der gesunden Lebenserwartung untersuchten die Forscher, ob die bekannten entzündungshemmenden und potenziellen Anti-Aging-Eigenschaften von Aspirin älteren Menschen zugutekommen könnten.

Die ASPREE-XT-Beobachtungsstudie begleitete 15.633 in der Gemeinschaft lebende Erwachsene (überwiegend 70 Jahre und älter) über einen medianen Zeitraum von 4,3 Jahren, nachdem diese die ursprüngliche randomisierte ASPREE-Studie abgeschlossen hatten. Die Teilnehmer hatten zuvor 4,7 Jahre lang entweder täglich 100mg Aspirin oder ein Placebo eingenommen. Die Forscher definierten „gesunde Lebensspanne" als Überleben ohne Demenz, anhaltende körperliche Behinderung oder Tod.

Die Ergebnisse waren eindeutig negativ. Es zeigte sich kein Nachwirkungseffekt durch die frühere Aspirineinnahme (34,4 vs. 33,7 Ereignisse pro 1.000 Personenjahre in der Aspirin- bzw. Placebogruppe). Über einen Gesamtbeobachtungszeitraum von fast einem Jahrzehnt zeigte Aspirin keine langfristigen Vorteile hinsichtlich der gesunden Lebensspanne (HR 1,01), der Sterblichkeitsprävention (HR 1,06) oder einzelner Komponenten wie Demenz oder Behinderung. Bemerkenswert ist, dass Aspirin langfristig mit einem um 24 % erhöhten Risiko für schwerwiegende Blutungsereignisse verbunden war.

Diese Befunde sind bedeutsam, weil sie die Hypothese, Aspirin könnte als einfache und leicht zugängliche Intervention für gesundes Altern dienen, klar widerlegen. Obwohl Laborbelege auf Anti-Seneszenz-Eigenschaften von Aspirin und seine Fähigkeit hinweisen, zelluläre Alterungsmarker zu reduzieren, ließen sich diese Vorteile in der Praxis nicht in eine verbesserte gesunde Lebensspanne älterer Erwachsener übersetzen.

Die Stärke der Studie liegt in ihrem großen Umfang, ihrer langen Dauer und ihrer rigorosen Methodik mit verblindeter Expertenbegutachtung der Endpunkte. Da die Teilnehmer zu Studienbeginn jedoch vergleichsweise gesund waren, lassen sich die Ergebnisse möglicherweise nicht auf Personen mit bestehenden Erkrankungen übertragen, die von den kardiovaskulären Schutzwirkungen von Aspirin profitieren könnten.

Wichtigste Erkenntnisse

  • No legacy effect of aspirin on healthy lifespan after stopping treatment
  • No long-term benefits over nearly 10 years of follow-up for dementia, disability, or death
  • 24% increased risk of major bleeding events with long-term aspirin use
  • Results challenge aspirin as a simple anti-aging intervention for healthy seniors

Methodik

Beobachtende Nachverfolgung von Teilnehmenden randomisierter kontrollierter Studien. 15.633 Erwachsene wurden über einen medianen Zeitraum von 4,3 Jahren nach der Studie beobachtet, mit von Experten beurteilten Endpunkten und Intention-to-treat-Analyse mittels Cox-Proportional-Hazard-Modellen.

Studienlimitierungen

Die Studienpopulation war zu Beginn relativ gesund, was die Verallgemeinerbarkeit möglicherweise einschränkt. Die Adhärenz gegenüber Aspirin während der Versuchsphase war moderat (63 %). Die Ergebnisse sind möglicherweise nicht auf Personen mit kardiovaskulären Risikofaktoren übertragbar, die von den etablierten Schutzwirkungen von Aspirin profitieren könnten.

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