Longevity & AgingPressemitteilung

Modifizierte Aminosäure Levacetylleucin lindert Symptome bei seltener neurologischer Erkrankung

Eine Phase-III-Studie zeigt, dass Levacetylleucin die neurologische Funktion bei Patienten mit Ataxia-teleangiectatica bedeutsam verbessert und dabei ein ausgezeichnetes Sicherheitsprofil aufweist.

Donnerstag, 9. Juli 2026 2 Aufrufe
Veröffentlicht in MedPage Today
Article visualization: Modified Amino Acid Levacetylleucine Eases Symptoms in Rare Neurological Disorder

Zusammenfassung

Ataxia-Teleangiektasie ist eine seltene Erbkrankheit, die zu einem fortschreitenden neurologischen Abbau, Immunfunktionsstörungen und einem vorzeitigen Tod führt. Eine Phase-III-Crossover-Studie mit 73 Erwachsenen und Kindern ergab, dass orales Levacetylleucin – eine modifizierte Aminosäure, die bereits für die Niemann-Pick-Krankheit zugelassen ist – die Ataxie-Scores im Vergleich zu Placebo über 12 Wochen um knapp 2 Punkte verbesserte. Eine Veränderung um 1 Punkt gilt als klinisch bedeutsam. Das Medikament verbesserte auch die Lebensqualität und zeigte ein günstiges Sicherheitsprofil mit nur geringfügigen, vorübergehenden Nebenwirkungen. Die in Lancet Neurology veröffentlichte Studie liefert als erste pharmakologische Evidenz, dass eine nachgelagerte Intervention bei dieser schwerwiegenden Erkrankung eine bedeutsame symptomatische Verbesserung bewirken kann – und bietet Hoffnung dort, wo die Behandlungsmöglichkeiten bislang auf unterstützende Maßnahmen beschränkt waren.

Detaillierte Zusammenfassung

Ataxia-Teleangiektasie (A-T) ist eine seltene genetische Erkrankung, die durch Mutationen im ATM-Gen verursacht wird, das die DNA-Schadensantwort steuert. Die Erkrankung führt zu progressiver zerebellärer Degeneration, Immundefizienz, Krebsanfälligkeit und erheblich reduzierter Lebenserwartung – typischerweise beginnend in der frühen Kindheit. Bis heute war die Behandlung fast ausschließlich unterstützend, ohne bewährte pharmakologische Optionen zur Verlangsamung oder Umkehrung des neurologischen Abbaus.

Eine randomisierte Phase-III-Crossover-Studie, veröffentlicht in Lancet Neurology, testete Levacetylleucin, eine modifizierte Aminosäure, an 73 Erwachsenen und Kindern mit A-T. Der primäre Endpunkt war die Veränderung der SARA-Scores (Scale for the Assessment and Rating of Ataxia) nach 12 Wochen. Patienten unter Levacetylleucin verbesserten sich um 1,92 Punkte gegenüber lediglich 0,14 Punkten unter Placebo – ein statistisch signifikanter und klinisch bedeutsamer Unterschied, da bereits eine Veränderung von 1 Punkt nach klinischen Maßstäben als relevant gilt.

Auch die Lebensqualitätsmessungen verbesserten sich unter Levacetylleucin im Vergleich zu Placebo. Unerwünschte Ereignisse waren minimal: Nur zwei Patienten erlebten drei behandlungsbedingte Ereignisse im Zusammenhang mit dem Medikament (Durchfall, Ekzem und Schlaflosigkeit), die alle vorübergehend waren. Es gab keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse, behandlungsbedingte Therapieabbrüche oder Todesfälle.

Levacetylleucin (Markenname Aqneursa) wurde 2024 für neurologische Manifestationen der Niemann-Pick-Krankheit Typ C zugelassen. Diese Studie stellt die erste wesentliche Evidenzbasis für A-T dar. Eine laufende offene Verlängerungsphase wird untersuchen, ob das Medikament langfristige neuroprotektive oder krankheitsmodifizierende Effekte über die symptomatische Linderung hinaus hat.

Für die breitere Gemeinschaft der Langlebigkeits- und neurologischen Gesundheitsforschung ist dieser Befund bedeutsam: Er zeigt, dass eine vergleichsweise einfache orale Verbindung in einer Erkrankung, die durch eine beeinträchtigte DNA-Schadensantwort verursacht wird, sinnvoll intervenieren kann – ein Signalweg, der auch für die normale Alterungsbiologie von zentraler Bedeutung ist. Obwohl A-T selten ist, könnte die Erforschung der ATM-Signalweg-Modulation weitreichendere Implikationen für die Erforschung altersbedingter Neurodegeneration haben.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Levacetylleucine improved ataxia scores by 1.92 points vs 0.14 for placebo over 12 weeks in A-T patients.
  • A 1-point SARA score change is clinically meaningful; the drug exceeded this threshold significantly.
  • Only 3 minor, transient adverse events were linked to levacetylleucine; no serious events or deaths occurred.
  • Drug is already FDA-approved for Niemann-Pick disease type C, supporting an established safety track record.
  • Open-label extension will assess potential long-term neuroprotective and disease-modifying effects.

Methodik

Dies ist ein Nachrichtenbericht, der eine randomisierte Phase-III-Crossover-Studie zusammenfasst, die in Lancet Neurology veröffentlicht wurde – einer hochrangigen, begutachteten Fachzeitschrift. Die Studie schloss 73 erwachsene und pädiatrische Patienten ein und verwendete eine validierte Ataxie-Bewertungsskala als primären Endpunkt. Das Crossover-Design stärkt die interne Validität, da jeder Teilnehmer als seine eigene Kontrollgruppe dient.

Studienlimitierungen

Die 12-wöchige Studiendauer schränkt Schlussfolgerungen zur Langzeitwirksamkeit oder krankheitsmodifizierenden Wirkung ein; Verlängerungsdaten stehen noch aus. Die geringe Stichprobengröße (73 Patienten) spiegelt die Seltenheit der Erkrankung wider und kann die statistische Aussagekraft für Subgruppenanalysen begrenzen. Levacetylleucine bleibt für A-T im Besonderen noch im Untersuchungsstadium, und eine behördliche Zulassung für diese Indikation wurde noch nicht erteilt.

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