Mundspülung kann das orale Mikrobiom stören und das Risiko systemischer Erkrankungen erhöhen
Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass antiseptische Mundspülungen Krankheitserreger wirksam abtöten, dabei jedoch auch nützliche Mundbakterien stören können – mit möglichen Auswirkungen auf die Herz- und Stoffwechselgesundheit.
Zusammenfassung
Eine umfassende Übersichtsarbeit von 12 Studien ergab, dass gängige antiseptische Mundspülungen wie Chlorhexidin und ätherische Öle schädliche Mundbakterien wirksam reduzieren und die Zahnfleischgesundheit verbessern. Allerdings stören diese Produkte auch nützliche Mikroorganismen, die das orale Gleichgewicht aufrechterhalten, was möglicherweise zu einer Dysbiose führt. Diese mikrobielle Störung kann zu systemischen Entzündungen beitragen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Atemwegserkrankungen erhöhen. Obwohl Antiseptika bei der Behandlung von Mundinfektionen nach wie vor wertvoll sind, deuten die Erkenntnisse auf den Bedarf an gezielteren Ansätzen hin, die gesunde Bakterien erhalten und gleichzeitig Krankheitserreger eliminieren.
Detaillierte Zusammenfassung
Das orale Mikrobiom enthält rund 700 mikrobielle Spezies, die einen schützenden Biofilm bilden, der gegen Krankheitserreger abwehrt und die Mundgesundheit erhält. Gerät dieses empfindliche Ökosystem aus dem Gleichgewicht (Dysbiose), kann dies sowohl zu Erkrankungen im Mundraum als auch zu systemischen Erkrankungen beitragen, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Atemwegsinfektionen.
Dieses Scoping-Review analysierte 12 Studien, die untersuchten, wie gängige antiseptische Formulierungen die Zusammensetzung der oralen Mikrobiota und die systemische Gesundheit beeinflussen. Die Forschungsarbeiten umfassten randomisierte kontrollierte Studien, experimentelle Untersuchungen und In-vitro-Studien zu weit verbreiteten Antiseptika wie Chlorhexidin (dem Goldstandard), ätherischen Ölen und Cetylpyridiniumchlorid.
Die Studien zeigten übereinstimmend, dass antiseptische Mundspülungen pathogene Bakterien wirksam reduzieren und klinische Ergebnisse bei Gingivitis und Parodontitis verbessern. Mehrere Studien wiesen jedoch auf besorgniserregende Veränderungen bei nützlichen kommensalen Bakterien hin, was darauf hindeutet, dass diese Breitspektrum-Wirkstoffe sowohl schädliche als auch schützende Mikroben unterschiedslos eliminieren können. Diese Störung kann die natürlichen Abwehrmechanismen des oralen Mikrobioms und dessen Kolonisationsresistenz beeinträchtigen.
Einige Studien wiesen auf mögliche Zusammenhänge zwischen antiseptikabedingten mikrobiellen Veränderungen und systemischen Erkrankungen hin. Die oral-systemische Verbindung erfolgt über mehrere Wege: Entzündungsmediatoren, die in den Blutkreislauf gelangen, transiente Bakteriämie, immunologische Kreuzreaktivität sowie mikrobielle Translokation, die die oral-intestinal-systemische Achse beeinflusst.
Obwohl Antiseptika klinisch nach wie vor wertvoll sind – insbesondere bei der Behandlung aktiver Infektionen –, unterstreichen die Ergebnisse die Notwendigkeit differenzierterer Ansätze. Künftige Mundhygiene-Strategien sollten darauf abzielen, Krankheitserreger gezielt zu bekämpfen und gleichzeitig nützliche Bakterien zu erhalten, die sowohl die Mund- als auch die systemische Gesundheit unterstützen.
Wichtigste Erkenntnisse
- Antiseptic mouthwashes effectively reduce oral pathogens but also disrupt beneficial bacteria
- Chlorhexidine remains most effective but causes staining and taste changes with long-term use
- Microbial disruption may contribute to systemic inflammation and cardiovascular disease risk
- Broad-spectrum antiseptics can impair natural colonization resistance against pathogens
- Need for targeted approaches that preserve healthy oral microbiome balance
Methodik
Diese Scoping-Review analysierte 12 Studien aus PubMed, Scopus und Web of Science bis Juni 2025, darunter 6 randomisierte kontrollierte Studien, experimentelle Untersuchungen und In-vitro-Studien. Untersucht wurden gängige Antiseptika wie Chlorhexidin, ätherische Öle und Cetylpyridiniumchlorid.
Studienlimitierungen
Die Übersichtsarbeit umfasste nur 12 Studien mit unterschiedlicher Methodik, und langfristige systemische Auswirkungen sind bislang unzureichend erforscht. Weitere Forschung ist erforderlich, um die optimale Dauer und Häufigkeit der Anwendung von Antiseptika zu bestimmen, ohne dabei nützliche Mundbakterien zu beeinträchtigen.
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