Longevity & AgingPressemitteilung

Beliebtes Gehirn-Nahrungsergänzungsmittel Tyrosin mit fast einem Jahr verlorener Lebenserwartung bei Männern in Verbindung gebracht

Eine Studie mit 270.000 Teilnehmern zeigt, dass höhere Tyrosinspiegel im Blut bei Männern mit einer kürzeren Lebenserwartung verbunden sind – und wirft damit Bedenken gegenüber verbreiteten Nahrungsergänzungsmitteln zur Konzentrationssteigerung auf.

Dienstag, 16. Juni 2026 13 Aufrufe
Veröffentlicht in ScienceDaily Aging
Article visualization: Popular Brain Supplement Tyrosine Linked to Nearly a Year of Lost Lifespan in Men

Zusammenfassung

Eine große Studie mit Daten der UK Biobank ergab, dass Männer mit höheren Blutspiegeln von Tyrosin – einer Aminosäure, die häufig in Nahrungsergänzungsmitteln für Gehirn und Konzentration enthalten ist – möglicherweise fast ein Jahr kürzer leben als Männer mit niedrigeren Spiegeln. Die Forschenden analysierten über 270.000 Teilnehmer und nutzten Mendelian Randomization, eine genetische Methode zur Stärkung kausaler Schlussfolgerungen, um den Zusammenhang zu bestätigen. Bei Frauen zeigte sich kein solches Muster. Tyrosin ist in proteinreichen Lebensmitteln weit verbreitet und wird in Nahrungsergänzungsmitteln verkauft, die für Dopamin-Unterstützung, Stimmung und kognitive Leistung vermarktet werden. Obwohl der Befund nicht beweist, dass Tyrosin direkt einen frühzeitigen Tod verursacht, wirft er bedeutsame Fragen für Männer auf, die regelmäßig entsprechende Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, und verdient eine eingehendere wissenschaftliche Betrachtung.

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Detaillierte Zusammenfassung

Eine im Fachjournal Aging-US veröffentlichte Großstudie hat einen potenziell überraschenden Zusammenhang zwischen der Aminosäure Tyrosin und einer verkürzten Lebenserwartung bei Männern gefunden. Tyrosin ist ein häufiger Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln für die Gehirngesundheit und Nootropika, geschätzt für seine Rolle bei der Produktion von Dopamin, Norepinephrin und Epinephrin. Für gesundheitsbewusste Personen, die Nahrungsergänzungsmittel zur Förderung von Fokus, Motivation oder Stressresistenz einnehmen, führt dieser Befund einen wichtigen Vorbehalt ein, den es zu verstehen gilt.

Forscher der University of Hong Kong und der University of Georgia analysierten Gesundheits- und Gendaten von über 270.000 Teilnehmern der UK Biobank. Sie verwendeten zwei Methoden: eine direkte Beobachtungsanalyse der Aminosäure-Blutspiegel im Vergleich zu Sterblichkeitsergebnissen sowie Mendelian Randomization – einen genetischen Ansatz, der natürlich vorkommende Genvarianten nutzt, um ein kontrolliertes Experiment anzunähern. Dieser doppelte Ansatz stärkt die Zuverlässigkeit des Zusammenhangs deutlich über eine einfache Korrelation hinaus.

Die wichtigste Erkenntnis war, dass erhöhte Tyrosin-Blutspiegel bei Männern konsistent mit einer kürzeren Lebenserwartung assoziiert waren, wobei genetische Modellierungen eine Reduktion von knapp einem Lebensjahr schätzen. Phenylalanin, eine verwandte Aminosäure und Tyrosin-Vorläufer, zeigte zunächst ein ähnliches Muster, hielt jedoch einer strengeren Analyse nicht stand. Entscheidend ist, dass Frauen keine signifikante Assoziation zeigten, was möglicherweise damit zusammenhängt, dass Männer tendenziell höhere Tyrosin-Ausgangsspiegel aufweisen.

Aus praktischer Sicht sollten Männer, die regelmäßig Tyrosin supplementieren – insbesondere in hohen Dosen – dies überdenken oder mit einem Arzt besprechen. Der Zusammenhang bedeutet nicht zwangsläufig, dass Tyrosin aus Nahrungsquellen dasselbe Risiko birgt, und eine Kausalität ist nicht definitiv belegt.

Wichtige Vorbehalte bleiben bestehen: Es handelt sich um Beobachtungs- und genetische Epidemiologie, nicht um eine klinische Studie. Störfaktoren wie Ernährungsqualität, Stoffwechselgesundheit oder Grunderkrankungen, die den Tyrosinspiegel erhöhen, könnten den Befund teilweise erklären. Replikationen in unabhängigen Kohorten sowie mechanistische Studien sind erforderlich, bevor eindeutige Empfehlungen ausgesprochen werden können.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Higher blood tyrosine levels linked to nearly one year shorter lifespan in men across 270,000 participants.
  • Mendelian randomization supports a potential causal relationship, not just correlation, between tyrosine and male lifespan.
  • Women showed no significant association between tyrosine levels and lifespan, suggesting a sex-specific effect.
  • Phenylalanine, tyrosine's precursor amino acid, did not show a consistent independent link to reduced lifespan.
  • Men who supplement with tyrosine for focus or dopamine support may want to reassess dosing with their doctor.

Methodik

Hierbei handelt es sich um eine Forschungszusammenfassung, die über eine peer-reviewed Studie berichtet, die in Aging-US von Forschern der University of Hong Kong und der University of Georgia veröffentlicht wurde. Die Belege basieren auf einem großen Beobachtungsdatensatz (UK Biobank, n=270.000+) in Kombination mit Mendelscher Randomisierung, was die kausale Plausibilität erhöht. Der Herausgeber Impact Journals LLC veröffentlicht die Zeitschrift Aging, ein angesehenes, peer-reviewtes Fachjournal im Bereich Langlebigkeit.

Studienlimitierungen

Kausalität ist nicht abschließend bewiesen; die Mendel'sche Randomisierung approximiert einen randomisierten kontrollierten Versuch, ersetzt ihn jedoch nicht. Der Artikel legt nicht dar, ob zwischen Nutzern von Nahrungsergänzungsmitteln und Personen mit nahrungsbasierter Tyrosin-Aufnahme in der Analyse unterschieden wurde. Störvariablen wie Stoffwechselerkrankungen, Leberfunktion oder Ernährungsmuster, die den Tyrosinspiegel erhöhen, könnten zu dem beobachteten Effekt beitragen.

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