Longevity & AgingPressemitteilung

SGLT2-Diabetes-Medikamente mit 39 % geringerem Demenzrisiko bei Menschen mit Stimmungsstörungen in Verbindung gebracht

Eine große VA-Studie zeigt, dass SGLT2-Inhibitoren das Demenzrisiko bei älteren Erwachsenen mit Depression, bipolarer Störung oder Schizophrenie um fast 40 % senken.

Mittwoch, 1. Juli 2026 2 Aufrufe
Veröffentlicht in MedPage Today
Article visualization: SGLT2 Diabetes Drugs Linked to 39% Lower Dementia Risk in People With Mood Disorders

Zusammenfassung

Eine neue Studie, veröffentlicht in JAMA Network Open, ergab, dass SGLT2-Inhibitoren – eine Klasse von Diabetes-Medikamenten – bei älteren Erwachsenen mit schwerer Depression, bipolarer Störung oder Schizophrenie mit einem deutlich geringeren Risiko verbunden waren, eine Demenz zu entwickeln. Anhand von Daten aus über 112.000 Veteranen im Alter von 65 Jahren und älter stellten die Forscher fest, dass Personen, die SGLT2-Inhibitoren einnahmen, 39 % weniger wahrscheinlich eine Demenz entwickelten als Nicht-Anwender. Die Medikamente wurden zudem mit weniger psychiatrischen Notaufnahmebesuchen in Verbindung gebracht. Menschen mit schweren psychiatrischen Erkrankungen haben ein grundsätzlich höheres Demenzrisiko und werden nur selten in Präventionsforschung einbezogen, was diesen Befund für eine historisch unterversorgte Bevölkerungsgruppe besonders bedeutsam macht.

0:00--:--

Detaillierte Zusammenfassung

Menschen, die an schweren psychiatrischen Erkrankungen wie schweren Depressionen, bipolaren Störungen und Schizophrenie leiden, haben im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung bereits ein deutlich erhöhtes Risiko, an Demenz zu erkranken. Dennoch ist diese Gruppe in der Demenzpräventionsforschung nach wie vor unterrepräsentiert, was eine erhebliche Lücke in der evidenzbasierten Versorgung hinterlässt. Eine neue Studie hatte zum Ziel, diese Lücke direkt zu schließen.

Forscher der NYU Grossman School of Medicine verwendeten einen Target-Trial-Emulations-Rahmen, der auf Gesundheitsdaten des Department of Veterans Affairs aus den Jahren 2016 bis 2024 basierte. Sie identifizierten 112.725 Erwachsene ab 65 Jahren mit entsprechenden psychiatrischen Diagnosen und ohne vorherige Demenzerkrankung. Über einen medianen Beobachtungszeitraum von 3,3 Jahren verfolgten sie, ob die Einleitung einer Behandlung mit SGLT2-Inhibitoren — ursprünglich für Typ-2-Diabetes entwickelte Medikamente — die Wahrscheinlichkeit veränderte, an Demenz zu erkranken oder eine psychiatrische Notfallversorgung in Anspruch nehmen zu müssen.

Die Ergebnisse waren bemerkenswert. In der Intention-to-treat-Analyse hatten Anwender von SGLT2-Inhibitoren eine um 39 % geringere Wahrscheinlichkeit, an einer Demenz jeglicher Ursache zu erkranken (OR 0,61), und 20 % weniger psychiatrische Notaufnahmebesuche (OR 0,80). Eine strengere Per-Protokoll-Analyse zeigte einen noch stärkeren Schutz gegen Demenz (OR 0,54) und psychiatrische Krankenhausaufenthalte (OR 0,56). Die Stichprobe war überwiegend männlich (92,8 %), was die VA-Population widerspiegelt, mit einem medianen Alter von 74,1 Jahren.

Die Forscher schlagen mehrere Wirkmechanismen vor. SGLT2-Inhibitoren könnten das Gehirn schützen, indem sie den Energiestoffwechsel verbessern, die Mitochondrienfunktion steigern und Neuroinflammation reduzieren — Signalwege, die zunehmend als zentral für die Neurodegeneration anerkannt werden. Diese Ergebnisse decken sich mit einem wachsenden Bestand an Belegen, die metabolische Gesundheit mit Gehirnalterung und kognitivem Abbau in Verbindung bringen.

Wichtige Vorbehalte sind zu beachten. Es handelte sich um eine Beobachtungsstudie mit einer überwiegend männlichen Veteranenpopulation, was die Verallgemeinerbarkeit einschränkt. Die VA-Kohorte ist nicht repräsentativ für die breitere Öffentlichkeit, und Störfaktoren könnten die Ergebnisse beeinflussen. Randomisierte kontrollierte Studien sind erforderlich, um die Kausalität zu bestätigen, bevor klinische Empfehlungen ausgesprochen werden können.

Wichtigste Erkenntnisse

  • SGLT2 inhibitor use was linked to 39% lower odds of all-cause dementia in adults with major psychiatric disorders.
  • Per-protocol analysis showed even stronger protection, with 46% reduced dementia odds among consistent SGLT2 inhibitor users.
  • Psychiatric emergency department visits were 20% lower among SGLT2 inhibitor users in the intention-to-treat analysis.
  • People with depression, bipolar disorder, or schizophrenia are at high dementia risk but are rarely studied in prevention trials.
  • SGLT2 inhibitors may protect the brain via improved energy metabolism, mitochondrial function, and reduced inflammation.

Methodik

Dies ist ein Nachrichtenbericht, der eine peer-reviewed Studie zusammenfasst, die in JAMA Network Open veröffentlicht wurde, einem renommierten Open-Access-Journal. Die Studie verwendete ein Target-Trial-Emulation-Design – eine strenge Beobachtungsmethode – basierend auf VA-Gesundheitsdaten aus den Jahren 2016 bis 2024. Obwohl es sich nicht um eine randomisierte kontrollierte Studie handelt, gilt die Methodik als ein starker Ansatz zur Generierung von Real-World-Evidenz.

Studienlimitierungen

Die Studienpopulation besteht zu 92,8 % aus männlichen Veteranen, was die Übertragbarkeit auf Frauen und die allgemeine Bevölkerung erheblich einschränkt. Als Beobachtungsstudie kann keine Kausalität bestätigt werden, und ein verbleibender Confounding-Effekt bleibt möglich. Randomisierte Studien mit vielfältigen Populationen sind erforderlich, bevor diese Erkenntnisse in klinische Leitlinien einfließen können.

Hat dir diese Zusammenfassung gefallen?

Erhalte die neueste Longevity-Forschung jede Woche in deinen Posteingang.

E-Mail-Adresse zum Abonnieren eingeben: