Schichtarbeit beschleunigt das biologische Altern um bis zu 2 Jahre – Ergebnisse einer großen britischen Studie
Die Analyse von 195.000 Arbeitnehmern zeigt, dass Schichtarbeit die biologische Alterung erheblich beschleunigt, wobei Nachtschichten die stärksten Auswirkungen haben.
Zusammenfassung
Eine große UK Biobank-Studie mit 195.419 Arbeitnehmern ergab, dass Schichtarbeit das biologische Altern erheblich beschleunigt. Forscher nutzten zwei validierte Alterungsalgorithmen, um zu zeigen, dass Schichtarbeiter – insbesondere Nachtschichtarbeiter – schneller biologisch altern als Tagarbeiter. Die Effekte waren am stärksten bei jüngeren Arbeitnehmern, Männern sowie Personen mit schlechtem Schlaf oder hohem BMI ausgeprägt. Nachtschichtarbeiter wiesen die stärkste Beschleunigung auf, gefolgt von unregelmäßigen Schichtmustern. Die Studie legt nahe, dass durch Schichtarbeit gestörte zirkadiane Rhythmen zelluläre Alterungsprozesse beschleunigen können.
Detaillierte Zusammenfassung
Schichtarbeit betrifft Millionen von Menschen weltweit, doch ihre Auswirkungen auf das biologische Altern sind bislang kaum verstanden worden. Diese umfassende Studie schließt eine wichtige Forschungslücke, indem sie untersucht, ob nicht standardmäßige Arbeitszeiten den Alterungsprozess auf zellulärer Ebene beschleunigen.
Die Forschenden analysierten Daten von 195.419 Teilnehmenden der UK Biobank (Durchschnittsalter 52,7 Jahre, 49,1 % männlich), die angestellt oder selbstständig tätig waren. Das biologische Alter wurde mithilfe zweier validierter Algorithmen gemessen: der Klemera-Doubal method Biological Age (KDM-BA) und Phenotypic Age (PhenoAge). Die Biologische Altersbeschleunigung (Biological Age Acceleration, BAA) wurde durch den Vergleich des biologischen Alters mit dem chronologischen Alter berechnet. Unter den Teilnehmenden waren 31.495 (16,1 %) Schichtarbeitende und 15.925 (8,1 %) arbeiteten in Nachtschichten.
Die Ergebnisse zeigten signifikante Zusammenhänge zwischen Schichtarbeit und beschleunigtem biologischen Altern. Alle Formen von Schichtarbeit erhöhten die BAA, wobei Nachtschichten die stärksten Effekte aufwiesen. Dauernachtschichtarbeitende wiesen die höchste Beschleunigung des biologischen Alters auf, gefolgt von Personen mit unregelmäßigen Schichtmustern. Die Studie ergab außerdem, dass Schichtarbeitende im Vergleich zu Tagarbeitenden häufiger an chronischen Erkrankungen litten, einen ungesünderen Lebensstil führten und eine schlechtere Schlafqualität aufwiesen.
Subgruppenanalysen zeigten bedeutsame Unterschiede im Risikoprofil. Jüngere Arbeitnehmende, Männer sowie Personen mit hohem BMI oder schlechtem Schlaf zeigten eine höhere Anfälligkeit für schichtarbeitsbedingte Altersbeschleunigung. Bemerkenswert war, dass Männer ein erhöhtes Risiko für eine KDM-BA-Beschleunigung durch unregelmäßige und dauerhafte Nachtschichten aufwiesen, während Frauen ein erhöhtes Risiko für eine PhenoAge-Beschleunigung speziell bei Abend- und Wochenendschichten zeigten.
Diese Erkenntnisse haben weitreichende Implikationen für die betriebliche Gesundheitspolitik und das individuelle Gesundheitsmanagement. Die Studie legt nahe, dass die durch Schichtarbeit verursachte Störung des zirkadianen Rhythmus grundlegende Alterungsprozesse beschleunigen und damit langfristige Gesundheitsrisiken erhöhen kann. Die Forschungsergebnisse unterstreichen den Bedarf an besseren Arbeitszeitgestaltungspraktiken und gezielten Interventionen für Hochrisikogruppen – mit besonderem Fokus auf Schlafoptimierung und Stoffwechselgesundheit bei Schichtarbeitenden.
Wichtigste Erkenntnisse
- Shift work significantly accelerated biological aging across two validated aging algorithms
- Night shift workers showed the strongest biological age acceleration effects
- Males and younger workers were more susceptible to shift work-related aging
- Poor sleep and high BMI amplified the aging acceleration effects
- Irregular shift patterns caused greater aging acceleration than regular shifts
Methodik
Bevölkerungsbasierte Querschnittsstudie mit UK Biobank-Daten von 195.419 erwerbstätigen Teilnehmern. Das biologische Alter wurde mithilfe der KDM-BA- und PhenoAge-Algorithmen gemessen, wobei die Akzeleration als Residuen aus der Regression auf das chronologische Alter berechnet wurde.
Studienlimitierungen
Das Querschnittsdesign verhindert kausale Schlussfolgerungen. Selbstberichtete Schichtarbeitsdaten können zu Verzerrungen führen. Die Studienpopulation bestand überwiegend aus weißen Briten, was die Generalisierbarkeit auf andere ethnische Gruppen einschränkt.
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