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Das Absetzen von Antipsychotika während der Schwangerschaft erhöht das Rückfallrisiko schwerer psychischer Erkrankungen

Eine große Studie zeigt, dass Frauen mit psychotischen Störungen bei Absetzen von Antipsychotika während der Schwangerschaft ein um 60 % höheres Rückfallrisiko haben.

Samstag, 28. März 2026 0 Aufrufe
Veröffentlicht in JAMA network open
Scientific visualization: Stopping Antipsychotics During Pregnancy Increases Severe Mental Health Relapse Risk

Zusammenfassung

Eine große Studie, in der über 3.000 Schwangere beobachtet wurden, ergab, dass das Absetzen von Antipsychotika während der Schwangerschaft das Risiko schwerer psychiatrischer Rückfälle bei Frauen mit psychotischen Störungen erheblich erhöht. Forschende analysierten Daten aus Dänemark und Schweden über einen Zeitraum von fast 25 Jahren und verglichen Frauen, die ihre Medikamente vor der Schwangerschaft, während der Schwangerschaft oder durchgehend einnahmen. Frauen mit psychotischen Störungen, die während der Schwangerschaft ihre Antipsychotika absetzten, hatten ein um 60 % höheres Risiko, aufgrund psychiatrischer Episoden stationär behandelt werden zu müssen, als Frauen, die die Behandlung fortsetzten. Das Risiko war ebenfalls erhöht – wenn auch weniger ausgeprägt – bei Frauen, die die Medikamente bereits vor der Schwangerschaft abgesetzt hatten. Interessanterweise zeigten Frauen mit bipolarer Störung ein anderes Muster: Bei ihnen ließ sich durch das Absetzen kein eindeutig erhöhtes Risiko feststellen, wobei die Stichprobengröße hier geringer war. Diese Forschungsergebnisse unterstreichen das kritische Gleichgewicht zwischen der Arzneimittelsicherheit während der Schwangerschaft und der Aufrechterhaltung der psychischen Stabilität der Mutter.

Detaillierte Zusammenfassung

Diese bahnbrechende Studie befasst sich mit einem kritischen Dilemma, dem schwangere Frauen mit schwerwiegenden psychischen Erkrankungen gegenüberstehen: ob sie antipsychotische Medikamente während der Schwangerschaft weiter einnehmen oder das Risiko eines psychiatrischen Rückfalls durch deren Absetzen eingehen sollen. Die Forschungsergebnisse haben bedeutende Implikationen für die Gesundheit der Mutter und das langfristige Familienwohl.

Die Forschenden analysierten Daten aus dänischen und schwedischen nationalen Registern und verfolgten 3.292 Schwangerschaften bei Frauen mit psychotischen Störungen oder bipolarer Störung zwischen 1998 und 2022. Sie verglichen drei Gruppen: Frauen, die Antipsychotika vor der Schwangerschaft absetzten, solche, die sie während der Schwangerschaft absetzten, und solche, die die Behandlung durchgehend fortsetzten.

Die Ergebnisse waren für Frauen mit psychotischen Störungen auffällig. Diejenigen, die Antipsychotika während der Schwangerschaft absetzten, hatten ein um 60 % erhöhtes Risiko für einen schweren psychiatrischen Rückfall, der einen Krankenhausaufenthalt erforderte, verglichen mit Frauen, die die Behandlung fortsetzten. Frauen, die die Medikamente vor der Schwangerschaft absetzten, zeigten ebenfalls ein erhöhtes Risiko, wenn auch weniger ausgeprägt. Jeder Rückfall birgt nicht nur unmittelbare Gesundheitsrisiken, sondern auch potenzielle langfristige Auswirkungen auf die Mutter-Kind-Bindung, die Familienstabilität und die kindliche Entwicklung.

Bei Frauen mit bipolarer Störung waren die Muster weniger eindeutig: Es zeigte sich kein signifikanter Anstieg des Rückfallrisikos durch das Absetzen, wobei die kleinere Stichprobengröße die statistische Aussagekraft einschränkte. Dies deutet auf unterschiedliche zugrundeliegende Mechanismen zwischen diesen Erkrankungen hin.

Diese Erkenntnisse stellen die gängige Praxis des automatischen Absetzens psychiatrischer Medikamente während der Schwangerschaft aufgrund von Sicherheitsbedenken für den Fötus in Frage. Die Forschung legt nahe, dass für Frauen mit psychotischen Störungen die psychischen Gesundheitsrisiken für die Mutter beim Absetzen von Antipsychotika die potenziellen Medikamentenrisiken überwiegen können. Die Studie erkennt jedoch Einschränkungen bei der Untersuchung weniger schwerer Rückfälle an und fordert prospektive klinische Studien, um Behandlungsentscheidungen in diesem vulnerablen Zeitraum besser leiten zu können.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Women with psychotic disorders stopping antipsychotics during pregnancy had 60% higher severe relapse risk
  • Pre-pregnancy discontinuation also increased relapse risk, though less dramatically than during pregnancy
  • Bipolar disorder patients showed no clear increased relapse risk from medication discontinuation
  • Study tracked over 3,000 pregnancies across 25 years in Denmark and Sweden
  • Severe relapses were defined as psychiatric hospitalizations during pregnancy and 3 months postpartum

Methodik

Diese Kohortenstudie verwendete verknüpfte dänische und schwedische nationale Geburtsregister und analysierte 3.292 Schwangerschaften aus dem Zeitraum 1998–2022. Die Frauen wurden im Verhältnis 1:1 zwischen der Abbruch- und der Fortsetzungsgruppe gematcht, wobei die Ergebnisse mithilfe stratifizierter Cox-Proportional-Hazard-Regressionsmodelle ausgewertet wurden.

Studienlimitierungen

Die Studie untersuchte ausschließlich schwere Rückfälle, die einen Krankenhausaufenthalt erforderten, wodurch mildere, aber dennoch bedeutsame Episoden möglicherweise nicht erfasst wurden. Störfaktoren, die Entscheidungen zum Absetzen beeinflussten, wurden nicht vollständig berücksichtigt, und die Ergebnisse bei bipolarer Störung wiesen aufgrund der kleineren Stichprobengröße eine begrenzte statistische Aussagekraft auf.

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