Testosteron verbessert das sexuelle Verlangen bei postmenopausalen Frauen mit HSDD moderat
Eine klinische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 klärt, wann eine Testosterontherapie Frauen mit geringem sexuellen Verlangen hilft und was aktuelle Leitlinien zu deren Anwendung besagen.
Zusammenfassung
Eine narrative Übersichtsarbeit in *Obstetrics & Gynecology* fasst die aktuelle Evidenz sowie zwei wichtige klinische Leitlinien zur Testosteron-Behandlung der hypoaktiven sexuellen Begehrensstörung (HSDD) bei peri- und postmenopausalen Frauen zusammen. Obwohl in den USA aufgrund fehlender Langzeitsicherheitsdaten keine FDA-zugelassene Testosteron-Formulierung für Frauen existiert, belegt die Evidenz einen moderaten Nutzen bei sorgfältig ausgewählten postmenopausalen Frauen mit belastend niedriger Libido. Die Übersichtsarbeit fand keine Belege dafür, dass Testosteron die Knochengesundheit, Kognition, Energie oder Gehirngesundheit von Frauen verbessert. Auch die Evidenz für den Einsatz bei Frauen im späten reproduktiven Alter bleibt begrenzt. Die Arbeit soll Klinikern helfen, Off-Label-Verschreibungsentscheidungen und Überwachungsmaßnahmen anhand verfügbarer Expertenempfehlungen zu treffen.
Detaillierte Zusammenfassung
Niedriges sexuelles Verlangen, das persönliches Leid verursacht – klinisch als hypoaktive sexuelle Begehrensstörung (HSDD) bezeichnet – ist eine der häufigsten Beschwerden im Bereich der sexuellen Gesundheit bei postmenopausalen Frauen, doch die Behandlungsmöglichkeiten bleiben begrenzt und werden oft missverstanden. Dieser narrative Review der Mayo Clinic schließt eine kritische Lücke in der klinischen Praxis, indem er die aktuellen Erkenntnisse zur Testosterontherapie bei HSDD bei peri- und postmenopausalen Frauen zusammenfasst.
Der Review untersucht Forschungsergebnisse zur Rolle von Testosteron bei der weiblichen Sexualfunktion und stellt fest, dass es zwar kein formal anerkanntes Androgendefizienzsyndrom bei Frauen gibt, aber sinkende Testosteronspiegel im Verlauf der Menopause bei einigen Frauen mit vermindertem sexuellen Verlangen korrelieren. Die im Review eingeschlossenen Studien zeigen, dass eine Testosteronbehandlung bei geeignet ausgewählten postmenopausalen Frauen zu bescheidenen, aber bedeutsamen Verbesserungen des sexuellen Verlangens und der sexuellen Zufriedenheit führen kann.
Wichtig ist, dass die Evidenz die weiterreichenden Behauptungen, die bisweilen über Testosteron bei Frauen aufgestellt werden, nicht stützt. Der Review fand keine überzeugenden Daten dafür, dass Testosteron bei dieser Population die Knochendichte, die kognitive Funktion, das Energieniveau oder die Gehirngesundheit verbessert. Auch die Evidenz für einen Nutzen bei Frauen im späten reproduktiven Alter bleibt spärlich, was darauf hindeutet, dass die Anwendbarkeit der Therapie derzeit enger ist als bisweilen beworben.
Eine wesentliche praktische Herausforderung besteht darin, dass in den Vereinigten Staaten kein FDA-zugelassenes Testosteronpräparat für Frauen existiert, was größtenteils auf das Fehlen von Langzeitsicherheitsdaten zurückzuführen ist. Trotzdem bieten inzwischen zwei klinische Leitlinien strukturierte Empfehlungen zu Dosierung, Patientinnenauswahl und Monitoring für den Off-Label-Einsatz. Der Autor fasst diese Leitlinien zusammen, um die Informationen für klinisch tätige Ärzte handlungsleitend aufzubereiten.
Der Review betont sowohl das Potenzial als auch die Grenzen der Testosterontherapie für die sexuelle Gesundheit von Frauen und bietet einen klinisch fundierten Rahmen für die gemeinsame Entscheidungsfindung mit Patientinnen, die diese Behandlung anstreben.
Wichtigste Erkenntnisse
- Testosterone produces modest improvements in sexual desire in appropriately selected postmenopausal women with HSDD.
- No evidence supports testosterone improving bone health, cognition, energy, or brain health in women.
- Evidence for HSDD benefit in late reproductive-age women remains limited.
- No FDA-approved testosterone formulation for women exists in the U.S. due to insufficient long-term safety data.
- Two clinical guidelines now provide expert consensus on testosterone use and monitoring for HSDD in women.
Methodik
Dies ist ein narrativer Review, der in Obstetrics & Gynecology veröffentlicht wurde und vorhandene klinische Studiendaten sowie zwei wichtige klinische Expertenleitlinien zusammenfasst. Es handelt sich weder um einen systematischen Review noch um eine Meta-Analyse, sodass die Schlussfolgerungen die Synthese des Autors widerspiegeln und nicht auf einem standardisierten Evidenzbewertungsverfahren basieren. Der Review wurde von einer einzelnen Expertin aus der Abteilung für Frauengesundheit der Mayo Clinic verfasst.
Studienlimitierungen
Als narratives und kein systematisches Review sind die Schlussfolgerungen möglicherweise das Ergebnis einer selektiven Synthese und unterliegen der Interpretation der Autoren. Das Fehlen von FDA-zugelassenen Testosteron-Formulierungen für Frauen bedeutet, dass die Dosierung aus Produkten für Männer oder aus individuell hergestellten Präparaten extrapoliert wird, was zu Bedenken hinsichtlich der Konsistenz führt. Langzeitsicherheitsdaten – einschließlich kardiovaskulärer und onkologischer Ergebnisse – sind nach wie vor unzureichend, was eine eindeutige Nutzen-Risiko-Bewertung erschwert.
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