Transfrauen zeigen nach Hormontherapie keinen athletischen Vorteil gegenüber Frauen
Eine Metaanalyse von 52 Studien zeigt, dass die körperliche Fitness von Männern, die sich einer geschlechtsangleichenden Hormontherapie unterzogen haben, mit der biologischer Frauen vergleichbar ist.
Zusammenfassung
Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse, veröffentlicht im British Journal of Sports Medicine, analysierte 52 Studien mit 6.485 Teilnehmern, um die Körperzusammensetzung und körperliche Fitness zwischen Transgender- und nicht-Transgender-Personen zu vergleichen. Nach einer geschlechtsangleichenden Hormontherapie (GAHT) zeigten Transgender-Frauen ähnliche Werte bei Fettmasse, Muskelmasse, Kraft und aerober Kapazität im Vergleich zu Frauen ohne Transgender-Hintergrund. Transgender-Männer hingegen wiesen eine höhere Fettmasse sowie eine geringere Muskelmasse und Oberkörperkraft auf als Männer ohne Transgender-Hintergrund. Die GAHT bewirkte bei beiden Gruppen über einen Zeitraum von einem bis drei Jahren bedeutsame physiologische Veränderungen. Trotz einiger verbleibender Unterschiede in der Muskelmasse bei Transgender-Frauen waren die Gesamtergebnisse zur körperlichen Fitness vergleichbar. Die Evidenzbasis ist größtenteils von geringer Qualität, was die Notwendigkeit hochwertigerer Forschung unterstreicht.
Detaillierte Zusammenfassung
Debatten über Transgender-Athleten im Wettkampfsport drehen sich oft darum, ob eine geschlechtsangleichende Hormontherapie physiologische Unterschiede, die sportliche Vorteile verschaffen könnten, vollständig beseitigt. Diese systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse liefert die bislang umfassendsten Belege dafür, wie Körperzusammensetzung und körperliche Fitness bei Transgender- und Cisgender-Personen im Vergleich ausfallen.
Forscher der Universität São Paulo durchsuchten PubMed, Web of Science, Embase und SportDiscus und schlossen schließlich 52 Studien mit 6.485 Teilnehmern ein. Zu den untersuchten Ergebnisgrößen zählten relativer Fettanteil, relative Magermasse, Kraft der Ober- und Unterextremitäten sowie die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max). Die Studien untersuchten sowohl Veränderungen vor und nach einer geschlechtsangleichenden Hormontherapie (GAHT) als auch direkte Vergleiche mit Cisgender-Kontrollgruppen.
Bei Transgender-Frauen wurden im Vergleich zu Cisgender-Frauen keine statistisch signifikanten Unterschiede hinsichtlich Fettmasse, Magermasse, Kraft der Ober- oder Unterextremitäten oder VO2max festgestellt. Eine GAHT über einen Zeitraum von ein bis drei Jahren war bei Transgender-Frauen mit einer Zunahme der Fettmasse sowie einer Abnahme der Magermasse und der Oberkörperkraft verbunden. Transgender-Männer wiesen im Vergleich zu Cisgender-Männern einen höheren Fettanteil sowie eine geringere Magermasse und Oberkörperkraft auf, wobei die GAHT die entgegengesetzte Entwicklung bewirkte – eine Reduktion des Fettanteils sowie eine Zunahme von Magermasse und Kraft.
Die Ergebnisse legen nahe, dass Transgender-Frauen auf Bevölkerungsebene zwar möglicherweise eine etwas höhere Magermasse als Cisgender-Frauen behalten, ihre messbare körperliche Fitness sich jedoch nicht signifikant unterscheidet. Die Autoren schlussfolgern, dass die aktuellen Belege keine Theorien über einen inhärenten sportlichen Vorteil von Transgender-Frauen gegenüber Cisgender-Frauen stützen.
Entscheidend ist, dass die Qualität der Evidenz nach GRADE-Kriterien überwiegend als sehr niedrig bis mäßig eingestuft wird und zwischen den Studien eine erhebliche Heterogenität besteht. Bevor fundierte politische Schlussfolgerungen gezogen werden können, ist rigorosere Längsschnittforschung erforderlich.
Wichtigste Erkenntnisse
- Transgender women showed no significant differences in strength, VO2max, or body composition versus cisgender women.
- Transgender men had higher fat mass and lower lean mass and upper-body strength than cisgender men.
- GAHT over 1–3 years feminized body composition in transgender women and masculinized it in transgender men.
- No evidence of inherent athletic advantage for transgender women over cisgender women was found.
- Most evidence was rated very low to low certainty by GRADE, limiting definitive conclusions.
Methodik
Dies war ein vorregistriertes systematisches Review mit Meta-Analyse (PROSPERO: CRD42024562210), das auf vier großen Datenbanken basierte. Eingeschlossen wurden 52 Studien mit insgesamt 6.485 Teilnehmern, die Körperzusammensetzung und körperliche Fitness vor und nach GAHT bzw. im Vergleich zu Kontrollgruppen derselben biologischen Gruppe untersuchten. Die Evidenzqualität wurde anhand des GRADE-Frameworks bewertet.
Studienlimitierungen
Der Großteil der eingeschlossenen Studien wurde nach GRADE mit sehr niedriger bis niedriger Evidenzsicherheit bewertet, was das Vertrauen in gepoolte Schätzwerte einschränkt. Die hohe Heterogenität der Studien hinsichtlich Design, Dauer der GAHT und Ergebnismessung schränkt die Generalisierbarkeit ein. Der Review konnte die Trainingsgeschichte vor der Transition oder sportartspezifische Leistungsmetriken nicht vollständig berücksichtigen.
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