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Vericiguat verfehlt primären Endpunkt, senkt jedoch kardiovaskuläre Sterblichkeit bei stabilem HFrEF

Die VICTOR-Studie untersuchte Vericiguat bei 6.105 stabilen Herzinsuffizienzpatienten und fand keine signifikante Reduktion des kombinierten Endpunkts, jedoch ein bemerkenswertes Mortalitätssignal.

Dienstag, 26. Mai 2026 4 Aufrufe
Veröffentlicht in Lancet
Close-up of a glowing molecular model of a guanylate cyclase enzyme against a deep blue background with faint heartbeat wavelines.

Zusammenfassung

Die VICTOR-Studie schloss 6.105 Patienten mit Herzinsuffizienz und reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) ein, die keine kürzliche Verschlechterung erlebt hatten. Die Patienten wurden über einen medianen Zeitraum von 18,5 Monaten randomisiert vericiguat oder Placebo zugeteilt. Obwohl der primäre kombinierte Endpunkt aus kardiovaskulärem Tod oder Herzinsuffizienz-Hospitalisierung keine statistische Signifikanz erreichte (HR 0,93, p=0,22), war die kardiovaskuläre Sterblichkeit in der vericiguat-Gruppe um 17 % und die Gesamtmortalität um 16 % niedriger. Diese sekundären Befunde gelten aufgrund der hierarchischen Teststruktur als nominal. Symptomatische Hypotonie trat unter vericiguat häufiger auf. Die Ergebnisse legen nahe, dass vericiguat stabile HFrEF-Patienten möglicherweise nicht generell begünstigt, obwohl das Mortalitätssignal weitere Untersuchungen rechtfertigt.

Detaillierte Zusammenfassung

Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) bleibt weltweit eine führende Ursache für kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität. Vericiguat, ein Stimulator der löslichen Guanylatcyclase, wurde zuvor auf Grundlage der VICTORIA-Studie zur Senkung des Risikos für kardiovaskulären Tod und Krankenhausaufenthalte bei HFrEF-Patienten nach einer kürzlichen Verschlechterung zugelassen. Eine zentrale offene Frage war, ob das Medikament auch der größeren, stabileren HFrEF-Population ohne kürzliche Verschlechterung zugutekommen könnte.

Die VICTOR-Studie untersuchte dies direkt in einem strengen doppelblinden, placebokontrollierten Phase-3-Design an 482 Zentren in 36 Ländern. Mehr als 10.900 Patienten wurden gescreent und 6.105 im Verhältnis 1:1 zu oralem Vericiguat (Zieldosis 10 mg täglich) oder Placebo randomisiert. Als Einschlusskriterium galt HFrEF (LVEF ≤40%), während Patienten mit kürzlichem Herzinsuffizienz-bedingten Krankenhausaufenthalt oder intravenöser Diuretikagabe ausgeschlossen wurden, was diese Population von früheren Vericiguat-Studien unterschied.

Der primäre zusammengesetzte Endpunkt der Zeit bis zum kardiovaskulären Tod oder zur Herzinsuffizienz-bedingten Hospitalisierung unterschied sich zwischen den Gruppen nicht signifikant (18,0 % Vericiguat vs. 19,1 % Placebo; HR 0,93, 95% CI 0,83–1,04; p=0,22). Da dieser Schwellenwert nicht erreicht wurde, gelten alle sekundären Analysen als explorativ. Dennoch traten kardiovaskuläre Todesfälle bei 9,6 % vs. 11,3 % der Patienten auf (HR 0,83) und Todesfälle jeglicher Ursache bei 12,3 % vs. 14,4 % (HR 0,84) – beide numerisch zugunsten von Vericiguat.

Das Sicherheitsprofil war zwischen den Gruppen insgesamt vergleichbar; symptomatische Hypotonie trat jedoch unter Vericiguat häufiger auf (11,3 % vs. 9,2 %). Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse waren insgesamt vergleichbar (23,5 % vs. 24,6 %).

Die Studie bestätigt, dass Vericiguat den zusammengesetzten kardiovaskulären Endpunkt bei stabilen HFrEF-Patienten nicht reduziert, was seine Rolle in dieser Population im Rahmen der aktuellen regulatorischen Rahmenbedingungen einschränkt. Das interessante Signal einer Mortalitätsreduktion ist zwar hypothesengenerierend, bedarf jedoch aufgrund des hierarchischen Designs der Studie einer vorsichtigen Interpretation. Künftige Analysen könnten dazu beitragen zu klären, ob bestimmte Subgruppen einen relevanten Nutzen erzielen.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Primary composite endpoint (CV death or HF hospitalization) not significantly reduced: HR 0.93, p=0.22.
  • Cardiovascular death numerically lower with vericiguat: 9.6% vs. 11.3% (HR 0.83).
  • All-cause death nominally reduced: 12.3% vs. 14.4% (HR 0.84, 95% CI 0.74–0.97).
  • Symptomatic hypotension more frequent with vericiguat: 11.3% vs. 9.2%.
  • Nearly half of participants (47.5%) had no prior heart failure hospitalization, representing a stable population.

Methodik

Doppelblinde, placebokontrollierte Phase-3-RCT in 482 Zentren in 36 Ländern; 6.105 Patienten wurden im Verhältnis 1:1 zu vericiguat oder Placebo randomisiert, bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 18,5 Monaten. Der primäre Endpunkt war die Zeit bis zum kardiovaskulären Tod oder einer Herzinsuffizienz-Hospitalisierung, analysiert in der Intention-to-treat-Population mittels eines hierarchischen Testverfahrens.

Studienlimitierungen

Sekundäre und explorative Endpunkte einschließlich der Mortalität sind aufgrund der vorab festgelegten hierarchischen Teststruktur nominale Befunde und können keine definitiven Schlussfolgerungen stützen. Der Ausschluss von Patienten mit kürzlich aufgetretener HF-Verschlechterung schränkt die Übertragbarkeit auf die breitere HFrEF-Population ein. Die ausschließliche Veröffentlichung des Abstracts begrenzt eine vollständige Beurteilung von Subgruppenanalysen, Adhärenzdaten und potenziellen Effektmodifikatoren.

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