Gut & MicrobiomeDarmbakterien treiben altersbedingte Anämie durch einen verborgenen epigenetischen Schalter an
Anämie wird mit zunehmendem Alter immer häufiger und erhöht das Risiko für Herzerkrankungen, kognitivem Abbau und Tod. Neue Forschungsergebnisse machen einen überraschenden Verursacher aus: ein Darmbakterium namens Odoribacter splanchnicus, das sich mit dem Alter vermehrt und Phenylessigsäure (PAA) aus der Aminosäure Phenylalanin produziert. PAA gelangt in das Knochenmark und löst dort eine ungewöhnliche chemische Markierung an Histonen aus – den Proteinen, die DNA verpacken –, wodurch das genetische Programm gestört wird, das für die Entwicklung roter Blutkörperchen erforderlich ist. Die Blockierung dieses Bakteriums mit Rifaximin, die Hemmung des für die Histon-Markierung verantwortlichen Enzyms oder schlicht die Einschränkung der Phenylalanin-Zufuhr über die Nahrung kehrten die altersbezogene Anämie bei Mäusen allesamt um. Die Erkenntnisse enthüllen eine neuartige Signalachse zwischen Darmmikrobiota und Knochenmark und legen mehrere praktische Strategien zur Behandlung eines Zustands nahe, für den es derzeit keine gezielten Therapien gibt.