Longevity & AgingEntzündungen treiben einen eigenständigen Subtyp der Depression mit einzigartigen Symptomen und Behandlungsansprechen voran
Dr. Andrew Miller von der Emory University legt überzeugende Belege dafür vor, dass etwa 25 % der Menschen mit schwerer Depression chronisch erhöhte Entzündungsmarker aufweisen – wie CRP, TNF, IL-1β und IL-6 –, die einen eigenständigen klinischen Subtyp bedingen. Dieser Entzündungssubtyp ist durch Anhedonie, Erschöpfung, psychomotorische Verlangsamung sowie Schlaf- und Appetitstörungen gekennzeichnet und geht mit einem schlechten Ansprechen auf SSRIs einher, möglicherweise jedoch mit einem besseren Ansprechen auf katecholaminerge Wirkstoffe, Ketamin, EKT und entzündungshemmende Behandlungen wie Infliximab. Mechanistisch gesehen stört Entzündung die Dopamin- und Glutamatsignalübertragung in den Basalganglien und kortiko-striatalen Belohnungsschaltkreisen. Der Artikel argumentiert, dass die Anerkennung dieses Subtyps eine Präzisionspsychiatrie ermöglicht: die gezielte Zuordnung von Patienten zu biologisch ausgerichteten Therapien anstelle von Einheitsantidepressiva.