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Benzodiazepine reduzieren den Erfolg der Krebsimmuntherapie bei mehr als 50.000 Lungenkrebspatienten

Eine landesweite französische Studie zeigt, dass die Einnahme von Benzodiazepinen die Überlebenschancen von Lungenkrebspatienten, die eine Pembrolizumab-Immuntherapie erhalten, signifikant verschlechtert.

Samstag, 4. April 2026 7 Aufrufe
Veröffentlicht in Oncoimmunology
white benzodiazepine pills scattered next to a medical chart showing declining survival curves on a hospital desk with stethoscope

Zusammenfassung

Eine umfangreiche französische Studie mit über 50.000 Lungenkrebspatienten ergab, dass die Einnahme von Benzodiazepinen die Wirksamkeit der Pembrolizumab-Immuntherapie erheblich verringert. Patienten, die Benzodiazepine einnahmen, hatten ein um 8 % höheres Sterberisiko und zeigten Anzeichen einer Störung des Darmmikrobioms, die die Immunantwort beeinträchtigen kann. Dies deutet darauf hin, dass gängige Angstmedikamente den Behandlungserfolg bei Krebs durch Auswirkungen auf die Darm-Immun-Achse untergraben könnten.

Detaillierte Zusammenfassung

Diese bahnbrechende landesweite französische Studie analysierte über 50.000 Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkrebs, um zu untersuchen, ob Benzodiazepine die Wirksamkeit der Krebsimmuntherapie beeinträchtigen. Die Forschung baut auf früheren Erkenntnissen auf, dass der Diazepam-Bindungsinhibitor (DBI), eine körpereigene Verbindung, die Benzodiazepin-Effekte nachahmt, die Krebsentstehung fördern und die Immunüberwachung verringern kann.

Die Forscher untersuchten 31.479 geeignete Patienten, die mindestens 2 Monate nach Beginn der Pembrolizumab-Behandlung überlebten. Davon erhielten 37,7 % (11.878 Patienten) innerhalb des Behandlungszeitraums mindestens zwei Benzodiazepin-Verschreibungen. Die Ergebnisse waren eindrücklich: Benzodiazepin-Anwender wiesen ein signifikant verringertes Gesamtüberleben mit einem um 8 % erhöhten Sterberisiko auf (Hazard Ratio 1,08, p<0,001) im Vergleich zu Nicht-Anwendern.

Entscheidend ist, dass dieser Effekt auch nach anspruchsvollen statistischen Adjustierungen für Alter, Krebsstadium, andere Medikamente und sozioökonomische Faktoren mittels inversem Wahrscheinlichkeitsgewichtungsverfahren bestehen blieb. In einer Untergruppe von 556 Patienten aus der ONCOBIOTICS-Studie wurde der Einsatz von Benzodiazepinen mit intestinaler Dysbiose und Veränderungen im TOPOSCORE assoziiert – einem prognostischen Marker, der mit schlechteren Immuntherapieergebnissen verbunden ist.

Die Erkenntnisse legen nahe, dass Benzodiazepine die Krebsimmuntherapie über mehrere Mechanismen beeinträchtigen können: durch direkte Effekte auf die Immunzellfunktion über GABA-Rezeptoren, durch Störung des Darmmikrobioms, das für das Ansprechen auf Immuntherapien entscheidend ist, sowie durch eine Erhöhung von Stresshormonen, die die Immunfunktion unterdrücken. Dies ist die bislang größte Studie, die diese Wechselwirkung zwischen Medikament und Immuntherapie untersucht, mit weitreichenden Implikationen für Millionen von Krebspatienten weltweit, die diese verbreiteten Angstmedikamente einnehmen.

Wichtigste Erkenntnisse

  • 37.7% of 31,479 lung cancer patients (11,878 individuals) used benzodiazepines during pembrolizumab treatment
  • Benzodiazepine users had 8% increased risk of death (hazard ratio 1.08, 95% CI: 1.04-1.12, p<0.001)
  • Survival disadvantage persisted after adjusting for demographics, cancer stage, and other medications using inverse probability weighting
  • Benzodiazepine use associated with intestinal dysbiosis in subset of 556 patients from ONCOBIOTICS study
  • Users showed alterations in TOPOSCORE, a validated prognostic marker for immunotherapy outcomes
  • Effect remained significant across multiple statistical models and sensitivity analyses
  • Study represents largest cohort to date examining benzodiazepine-immunotherapy interactions

Methodik

Retrospektive Analyse der französischen Nationalregisterdaten von Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC, die zwischen 2017 und 2021 mit Pembrolizumab behandelt wurden. Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben; eine Benzodiazepinexposition wurde als ≥2 Verschreibungen innerhalb von 90 Tagen vor bis 30 Tagen nach Behandlungsbeginn definiert. Die statistische Auswertung erfolgte mittels Cox-Proportional-Hazards-Modellen mit Inverse Probability of Treatment Weighting (IPTW) zur Kontrolle von Störvariablen, darunter Alter, Leistungsstatus, Krebsstadium und Komedikationen.

Studienlimitierungen

Ein retrospektives Beobachtungsdesign kann keine Kausalität, sondern nur Zusammenhänge belegen. Die Daten zu Benzodiazepin-Dosierung und -Behandlungsdauer waren begrenzt. Potenzielle, nicht erfasste Störvariablen wie Angststärke oder zugrundeliegende Erkrankungen, die den Benzodiazepin-Einsatz begründen, wurden nicht berücksichtigt. Die Darmmikrobiom-Analyse beschränkte sich auf eine kleine Patientenuntergruppe. Die Autoren betonen die Notwendigkeit prospektiver Studien, um zu bestätigen, ob ein Benzodiazepin-Entzug die Ergebnisse der Immuntherapie verbessert.

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