Brain HealthForschungsarbeitOpen Access

Gehirnlaktat bei ME/CFS erhöht, Cholin bei Long COVID mittels 7T-MRI reduziert

Erste 7T-MRT-Studie enthüllt deutliche Unterschiede in der Gehirnchemie zwischen ME/CFS- und Long-COVID-Patienten trotz ähnlicher Erschöpfungssymptome.

Samstag, 11. April 2026 5 Aufrufe
Veröffentlicht in Mol Psychiatry
A large cylindrical 7T MRI scanner in a modern medical facility with a patient bed positioned at the entrance, showing the high-tech medical equipment used for ultra-high-field brain imaging

Zusammenfassung

Forscher nutzten Ultrahochfeld-7T-MRT, um die Gehirn- und Muskelchemie von 24 ME/CFS-Patienten, 25 Long-COVID-Patienten und 24 gesunden Kontrollpersonen zu untersuchen. ME/CFS-Patienten wiesen erhöhte Laktatwerte in Hirnregionen auf, die mit dem Energiestoffwechsel assoziiert sind, was auf eine mitochondriale Dysfunktion hindeutet. Long-COVID-Patienten hatten reduzierte Cholinspiegel, was möglicherweise mit Blutgerinnungsproblemen zusammenhängt. Überraschenderweise war die Muskelchemie bei beiden Erkrankungen normal, was darauf hindeutet, dass die Erschöpfung eher im Gehirn als in den Muskeln ihren Ursprung hat.

Detaillierte Zusammenfassung

Diese bahnbrechende Studie nutzte die 7T-Magnetresonanzspektroskopie, um die biochemischen Unterschiede zwischen ME/CFS und Long COVID zu untersuchen – zwei Erkrankungen, die ähnliche Erschöpfungssymptome aufweisen, aber möglicherweise auf unterschiedlichen zugrunde liegenden Mechanismen beruhen. Das Forschungsteam untersuchte 73 Teilnehmer in drei Gruppen: 24 ME/CFS-Patienten, 25 Long-COVID-Patienten und 24 gesunde Kontrollpersonen.

Die wichtigste Erkenntnis war, dass ME/CFS-Patienten im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen signifikant erhöhte Laktatwerte sowohl im prägenalen als auch im dorsalen anterioren cingulären Kortex aufwiesen. Dieser Laktatanstieg deutet auf energetischen Stress und mitochondriale Dysfunktion hin und stützt die Theorien, dass ME/CFS mit einer beeinträchtigten zellulären Energieproduktion einhergeht. Long-COVID-Patienten hingegen zeigten speziell im dorsalen anterioren cingulären Kortex reduzierte Gesamtcholinspiegel, was möglicherweise mit Blutgerinnungsproblemen und Symptomen des „Brain Fog" zusammenhängt.

Überraschenderweise wiesen die Skelettmuskelmetaboliten in Ruhe keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen auf. Dies legt nahe, dass die lähmende Erschöpfung, unter der beide Patientengruppen leiden, ihren Ursprung in einer Dysfunktion des zentralen Nervensystems hat und nicht auf periphere Muskelprobleme zurückzuführen ist. Diese Erkenntnis stellt bisherige Annahmen über muskelbasierte Erschöpfungsmechanismen bei diesen Erkrankungen infrage.

Die Studie umfasste außerdem eine umfassende kognitive Testung mithilfe der Brief Assessment of Cognition in Schizophrenia-Batterie, wobei spezifische kognitive Korrelationen mit den hirnchemischen Veränderungen in den Ergebnissen nicht detailliert dargestellt wurden. Die Forscher verwendeten ein Ultrahochfeld-7T-MRT, das im Vergleich zu Standard-3T-Geräten ein überlegenes Signal-Rausch-Verhältnis und eine höhere spektroskopische Auflösung bietet und damit eine präzisere Quantifizierung von Metaboliten ermöglicht.

Diese Befunde haben wichtige klinische Relevanz: Sie legen nahe, dass ME/CFS und Long COVID trotz ihrer überlappenden Symptome weder als eine einzige Erkrankung erforscht noch potenziell behandelt werden sollten. Die unterschiedlichen biochemischen Profile weisen auf verschiedene zugrunde liegende pathophysiologische Mechanismen hin, was gezielte Therapieansätze für jede Erkrankung ermöglichen könnte.

Wichtigste Erkenntnisse

  • ME/CFS patients showed elevated lactate levels in both pregenual and dorsal anterior cingulate cortex brain regions compared to healthy controls
  • Long COVID patients had significantly reduced total choline levels specifically in the dorsal anterior cingulate cortex
  • Skeletal muscle metabolites at rest showed no significant differences between ME/CFS, long COVID, and healthy control groups
  • Study included 73 total participants: 24 ME/CFS patients (mean age 32.6), 25 long COVID patients (mean age 44.3), and 24 healthy controls (mean age 40.5)
  • 7T MRI provided superior spectroscopic resolution compared to standard 3T scanners for precise metabolite quantification
  • Lactate elevation in ME/CFS suggests mitochondrial dysfunction and energetic stress in brain tissue
  • Choline reduction in long COVID may relate to blood clotting mechanisms and cognitive dysfunction

Methodik

Querschnittsstudie mit 7T-Magnetresonanzspektroskopie bei 73 Teilnehmern (24 ME/CFS, 25 Long COVID, 24 gesunde Kontrollpersonen). Gehirnspektren wurden aus den Regionen des pregenualen und dorsalen anterioren cingulären Kortex gemessen, ergänzt durch Wadenmuskel-Scans. Die ME/CFS-Diagnose wurde anhand der CDC-Kriterien bestätigt; bei Long COVID war anhaltende Fatigue von ≥12 Wochen nach der Infektion erforderlich. Die kognitive Beurteilung erfolgte mithilfe der Brief Assessment of Cognition in Schizophrenia-Testbatterie.

Studienlimitierungen

Die Studie war querschnittlich angelegt, was die Bestimmung von Kausalität oder zeitlichen Zusammenhängen verhinderte. Bei zwölf Long-COVID-Teilnehmern fehlte eine laborgestützte Bestätigung der SARS-CoV-2-Infektion aufgrund der eingeschränkten Testkapazitäten in der frühen Pandemie. Die Untersuchung schloss Teilnehmer mit psychiatrischen Komorbiditäten aus, was die Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse möglicherweise einschränkt. Die Stichprobengrößen waren für Subgruppenanalysen vergleichsweise klein, und das Studiendesign konnte nicht klären, ob biochemische Veränderungen der Symptomentstehung vorausgingen oder ihr folgten.

Hat dir diese Zusammenfassung gefallen?

Erhalte die neueste Longevity-Forschung jede Woche in deinen Posteingang.

E-Mail-Adresse zum Abonnieren eingeben: