Brain HealthPressemitteilung

Cannabiskonsum im Jugendalter verdoppelt das Risiko für Psychose und bipolare Störung – Studie mit 463.000 Teilnehmern

Eine wegweisende Studie mit 463.000 Jugendlichen ergab, dass Cannabiskonsum das Risiko für psychotische und bipolare Störungen bis zum jungen Erwachsenenalter verdoppelt.

Sonntag, 28. Juni 2026 2 Aufrufe
Veröffentlicht in ScienceDaily Brain
Article visualization: Teen Marijuana Use Doubles Risk of Psychosis and Bipolar Disorder in 463K Study

Zusammenfassung

Eine groß angelegte Studie, die über 463.000 Jugendliche verfolgte, ergab, dass Teenager, die Cannabis konsumierten, bis zu ihrem Mitte-Zwanzig etwa doppelt so häufig schwere psychiatrische Störungen entwickelten – darunter Psychosen und bipolare Störungen. Die im JAMA Health Forum veröffentlichte Untersuchung stützte sich auf elektronische Patientenakten aus regulären Kinderarztbesuchen zwischen 2016 und 2023. Entscheidend ist, dass der Cannabiskonsum den Diagnosen in der Regel um fast zwei Jahre vorausging, was auf einen zeitlichen Zusammenhang und nicht auf eine umgekehrte Kausalität hindeutet. Selbst gelegentlicher Konsum – nicht nur starker oder abhängiger Konsum – war mit einem erhöhten Risiko verbunden. Da der THC-Gehalt in kommerziellen Produkten stark ansteigt, fordern Forscher dringende Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, die auf den Zugang Jugendlicher sowie die Wirkstoffstärke der Produkte abzielen.

Detaillierte Zusammenfassung

Der Cannabiskonsum im Jugendalter gibt Forschern seit Langem Anlass zur Sorge, doch eine umfassende neue Studie liefert einige der bisher stärksten Belege dafür, dass Marihuana-Konsum im Teenageralter mit ernsthaften, dauerhaften psychiatrischen Schäden verbunden ist. Die im JAMA Health Forum veröffentlichte Studie verfolgte 463.396 Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren bis zum Alter von 26 Jahren und ist damit eine der größten Längsschnittuntersuchungen dieser Art.

Der zentrale Befund ist bemerkenswert: Teenager, die angaben, im vergangenen Jahr Cannabis konsumiert zu haben, wiesen im Vergleich zu Nicht-Konsumenten ein etwa doppelt so hohes Risiko auf, psychotische Störungen und bipolare Störungen zu entwickeln. Erhöhte Risiken wurden auch für Depressionen und Angstzustände beobachtet. Da der Cannabiskonsum im Durchschnitt 1,7 bis 2,3 Jahre vor der psychiatrischen Diagnosestellung erfasst wurde, stärkt die Studie die These eines gerichteten Zusammenhangs – die Exposition gegenüber Cannabis während der Gehirnentwicklung könnte zu späteren psychischen Erkrankungen beitragen und nicht lediglich gleichzeitig mit diesen auftreten.

Die Studie wurde von Forschern der Kaiser Permanente, UC San Francisco, UC Southern California und des Public Health Institute durchgeführt und nutzte elektronische Gesundheitsakten aus routinemäßigen pädiatrischen Untersuchungen. Besonders wichtig: Sie untersuchte jeden selbst berichteten Cannabiskonsum im vergangenen Jahr – nicht nur starken Konsum oder eine diagnostizierte Cannabisgebrauchsstörung – was ihre Bedeutung für die öffentliche Gesundheit erheblich erweitert.

Der Kontext ist dabei entscheidend: Die Wirkstoffstärke von Cannabis ist dramatisch gestiegen. Die durchschnittlichen THC-Konzentrationen in kalifornischem Cannabis-Blüten übersteigen mittlerweile 20 %, und einige Konzentrate erreichen bis zu 95 % THC – weit über den Werten, die in früheren Studien untersucht wurden. Gleichzeitig berichten mehr als 10 % der US-amerikanischen Teenager im Alter von 12 bis 17 Jahren von einem Konsum im vergangenen Jahr, wobei die Raten bei Zwölftklässlern auf 26 % ansteigen.

Für gesundheitsbewusste Erwachsene mit Kindern oder Jugendlichen in ihrem Umfeld unterstreicht diese Forschung Cannabis als bedeutsames neurologisches Risiko während der Entwicklungsjahre. Experten für öffentliche Gesundheit fordern Obergrenzen für den Wirkstoffgehalt, Einschränkungen beim Marketing gegenüber Jugendlichen und eine Behandlung des Cannabiskonsums im Jugendalter als ernstes medizinisches Anliegen statt als harmlose Verhaltensweise.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Teen cannabis use was associated with roughly double the risk of psychotic and bipolar disorders by age 26.
  • Cannabis use preceded psychiatric diagnoses by an average of 1.7 to 2.3 years, suggesting a temporal causal link.
  • Even any past-year cannabis use — not just heavy use — was linked to significantly elevated psychiatric risk.
  • THC potency in commercial cannabis has surged, with some concentrates exceeding 95% THC, amplifying potential harms.
  • Over 26% of U.S. twelfth graders report cannabis use, making this a widespread adolescent public health concern.

Methodik

Dies ist eine Forschungszusammenfassung, die auf einer in JAMA Health Forum veröffentlichten, von Fachleuten begutachteten Studie basiert – einer angesehenen Zeitschrift mit hohem Einfluss. Die Studie verwendete longitudinale Daten aus elektronischen Gesundheitsakten von 463.396 Jugendlichen und liefert damit starke Belege auf Beobachtungsebene. Die Finanzierung durch das National Institute on Drug Abuse verleiht der Studie institutionelle Glaubwürdigkeit, wobei es sich bei dem Artikel um eine Nachrichtenzusammenfassung und nicht um die vollständige Primärarbeit handelt.

Studienlimitierungen

Die Studie ist beobachtend und kann keine Kausalität definitiv belegen; Störvariablen wie Genetik und sozioökonomischer Status können sowohl den Cannabiskonsum als auch die psychiatrischen Ergebnisse beeinflussen. Selbstberichteter Cannabiskonsum kann Messfehler einführen. Der Artikel ist eine Nachrichtenzusammenfassung – für bereinigte Odds Ratios, Konfidenzintervalle und vollständige Kovarianzanalysen sollte das vollständige JAMA Health Forum-Paper konsultiert werden.

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